🧬 Herzinfarkt trotz gesundem Lebensstil: Achtung vor dem Lp(a)

Hier ist ein Szenario, das ĂŒberraschen mag: eine Person in Topform, sportlich, mit einem guten LDL-Cholesterinspiegel – und trotzdem erleidet sie einen Herzinfarkt.

Dieses Paradoxon könnte durch ein wenig bekanntes Cholesterinpartikel erklĂ€rt werden: das Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Im Gegensatz zum klassischen LDL ist dieses MolekĂŒl stark von den Genen abhĂ€ngig und entzieht sich dem Einfluss von ErnĂ€hrung oder Bewegung. Die Folge: Es kann sich still und heimlich in den Arterien ansammeln und das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen selbst bei gesunden Menschen erhöhen.

Um zu verstehen, warum, schauen wir uns seine Struktur an. Lp(a) Ă€hnelt LDL, besitzt jedoch ein zusĂ€tzliches Protein, das Apolipoprotein(a). Dieser Teil macht es klebriger und begĂŒnstigt die Bildung von Plaques in den Arterien. Zudem könnte es die Blutgerinnung fördern. Studien zeigen, dass erhöhte Lp(a)-Spiegel mit einem erhöhten Risiko fĂŒr Herzinfarkte und SchlaganfĂ€lle verbunden sind, unabhĂ€ngig von anderen Risikofaktoren. Dieser Zusammenhang ist kontinuierlich: Je höher der Spiegel, desto grĂ¶ĂŸer die Gefahr.

Illustrationsbild Pixabay

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Im Gegensatz zum LDL-Cholesterin wird Lp(a) nicht durch ErnĂ€hrung oder Bewegung beeinflusst, sondern hauptsĂ€chlich durch die Vererbung. Die Spiegel werden frĂŒh im Leben festgelegt und bleiben stabil. Dieser weitgehend genetische Charakter erklĂ€rt, warum manche Menschen trotz eines gesunden Lebensstils Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln. Faktoren wie die Menopause oder Nierenerkrankungen können die Werte leicht verĂ€ndern, aber das Wesentliche ist angeboren.

Derzeit gibt es nur wenige Möglichkeiten, Lp(a) zu senken. Statine, die gegen LDL sehr wirksam sind, haben darauf so gut wie keine Wirkung. Einige neuere Medikamente wie PCSK9-Inhibitoren senken es moderat um 15 bis 30 %. Eine neue Klasse von Behandlungen verspricht jedoch einen spektakulĂ€ren RĂŒckgang. Durch den Einsatz von Gen-Silencing verhindern diese MolekĂŒle, dass die Leber Lp(a) produziert. Erste Studien zeigen Reduktionen von 80 bis 90 %.

Sie fragen sich, ob Sie Ihr Lp(a) testen lassen sollten? Dieser Test ist nicht im Standard-Lipidprofil enthalten. Er muss explizit angefordert werden. Internationale Empfehlungen raten zu einer Messung mindestens einmal im Erwachsenenalter, insbesondere bei familiĂ€rer Vorbelastung mit frĂŒhen Herzkrankheiten oder unerklĂ€rtem Risiko. Da der Spiegel stabil ist, reicht oft ein einziger Test.

Es kann frustrierend sein, einen erhöhten Lp(a)-Spiegel zu entdecken, da man ihn nicht einfach Ă€ndern kann. Aber man sollte ihn als Indikator fĂŒr das Gesamtrisiko betrachten. Andere Faktoren liegen in Ihrer Hand: LDL-Cholesterin, Blutdruck, Rauchen, körperliche AktivitĂ€t, ErnĂ€hrung und Diabetesmanagement. Durch die Optimierung dieser Faktoren senken Sie Ihr gesamtes kardiovaskulĂ€res Risiko, auch wenn Lp(a) erhöht bleibt.

Die Forschung zu Lp(a) schreitet schnell voran. Wenn laufende klinische Studien bestĂ€tigen, dass die neuen zielgerichteten Therapien Herzkreislaufereignisse verringern, könnten Screening und Behandlung bald zum Standard werden. Bis dahin ist das Bewusstsein ein erster wichtiger Schritt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie Bedenken haben, insbesondere bei familiĂ€rer Vorbelastung. Und vergessen Sie nicht: Die Grundlagen fĂŒr ein gesundes Herz bleiben die Lebensgewohnheiten, die wir selbst beeinflussen können.