Die Idee, sich auf dem Mars niederzulassen, wird oft mit großen technischen Hürden verbunden, aber ein weniger diskutierter Aspekt könnte der entscheidendste sein: Woher werden die Materialien kommen, die für den Bau und Betrieb einer Kolonie benötigt werden? Eine aktuelle Studie untersucht einen kühnen Ansatz: die Nutzung von Asteroiden zur Versorgung des Mars mit Metallen und Treibstoff, um so unsere Abhängigkeit von der Erde zu verringern.
Eine Marskolonie benötigt nicht nur Nahrung und Sauerstoff, sondern auch Stahl für die Strukturen, Aluminium für die Ausrüstung, Eisen für die Werkzeuge. All dies nutzt sich ab, geht kaputt und muss ersetzt werden. Jedes einzelne Teil von der Erde zu transportieren kostet Dutzende Millionen Euro pro Tonne, und die Reise dauert sechs bis neun Monate. Eine solche Logistik ist auf lange Sicht nicht tragfähig.

Um dieses Problem zu lösen, haben Forscher der EPFL in der Schweiz Hunderte möglicher Lieferketten modelliert. Ihr Computerprogramm testete verschiedene Kombinationen von Asteroiden, der für die Reisen benötigten Energie und der abbaubaren Metallmengen. Die zentrale Idee ist, Asteroiden sowohl als Rohstoffquellen als auch als Tankstellen für Treibstoff zu nutzen.
Einige Asteroiden, sogenannte kohlenstoffhaltige, enthalten Kohlenstoff und Wassereis. Durch ihre Verarbeitung kann man direkt im Weltraum Treibstoff herstellen, wodurch der Rückflugtreibstoff von der Erde nicht mehr mitgeführt werden muss. Die Forscher haben diese Möglichkeit in ihre Berechnungen einbezogen, was die Spielregeln ändert. Ihre Simulation identifizierte so bestimmte Asteroiden, die mit der heutigen Technologie erreichbar sind und bei denen die für die Hin- und Rückreise benötigte Energie gering genug ist, dass die Operation rentabel wäre.

Die Vielzahl von Asteroiden im inneren Sonnensystem bietet zahlreiche Bergbaumöglichkeiten zur Unterstützung von Marsbasen. Credit: Pablo Carlos Budassi
Die Studie zeigt vor allem, dass das Problem eine Lösung hat. Mit den richtigen Zielen und einer Treibstoffproduktion vor Ort wird eine Lieferkette von den Asteroiden zum Mars möglich. Natürlich sind wir noch weit von einer ersten Weltraumbergbauoperation entfernt, aber diese Arbeiten zeigen, dass die Logistik kein unüberwindbares Hindernis ist. Die zukünftige Marskolonie wird nicht nur Baumeister benötigen, sondern auch Logistiker, die in der Lage sind, diese Lieferungen aus dem Himmel zu organisieren.