Die Astrophysik steht vor einem Paradoxon: Mehrere unabhängige Messungen der Geschwindigkeit, mit der sich der Kosmos ausdehnt, stimmen nicht überein. Diese Diskrepanz, bekannt als Hubble-Spannung, schwächt die Grundlagen der modernen Kosmologie.
Um die Hubble-Konstante zu berechnen, verwenden Wissenschaftler hauptsächlich zwei Ansätze. Einerseits liefert die Analyse der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung, des Nachleuchtens des Urknalls, einen Wert von etwa 67 Kilometern pro Sekunde pro Megaparsec. Andererseits zeigt eine direktere Methode, die sich auf als Entfernungsmarker dienende Supernovae stützt, etwa 73 km/s/Mpc an. Obwohl diese Abweichung gering erscheint, ist sie statistisch signifikant und lässt vermuten, dass unser Standard-Theoriemodell unvollständig sein könnte.
Um diese Messungen in Einklang zu bringen, ergibt sich ein interessanter Ansatz: das der primordialen Magnetfelder. Diese Felder, die sich gleich nach dem Urknall gebildet haben könnten, könnten den Übergang des Universums in einen durchsichtigen Zustand beeinflusst und folglich die kosmischen Signale, die wir beobachten, verändert haben. Ihre Existenz würde den Zeitpunkt, zu dem Licht begann, sich frei auszubreiten, leicht verschieben und damit die Interpretation der Daten ändern, was die beiden Messungen der Expansion zur Deckung bringen könnte.
Eine kürzlich in Nature Astronomy veröffentlichte Arbeit nutzte dreidimensionale Simulationen, um den Einfluss dieser Magnetfelder auf die Bildung von Wasserstoffatomen zu modellieren, die notwendig sind, um das Universum durchsichtig zu machen. Mit diesen Simulationen können die Forscher vorhersagen, wie der beobachtete kosmische Mikrowellenhintergrund dadurch verändert würde.
Der Vergleich dieser Vorhersagen mit den tatsächlichen Beobachtungen erlaubt es, die Stichhaltigkeit dieser Hypothese und ihren potenziellen Einfluss auf die Hubble-Spannung zu testen. Die erzielten Ergebnisse zeigen tatsächlich, dass die Existenz primordialer Magnetfelder dazu beitragen könnte, die Hubble-Spannung zu erklären. Die mit den Beobachtungen kompatiblen Feldstärken liegen in der Größenordnung von fünf bis zehn Pikogauß.
Eine Karte der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung. Bildnachweis: ESA und die Planck-Kollaboration.
Wenn ihre Existenz bestätigt würde, würden diese Magnetfelder zusätzliche Informationen über die physikalischen Prozesse liefern, die im jungen Kosmos herrschten. Zukünftige Beobachtungen mit präziseren Instrumenten werden es ermöglichen, diese Theorie durch Beobachtungen zu testen. Diese Entdeckung würde dann ein neues Fenster zu den Ereignissen der allerersten Augenblicke öffnen, die möglicherweise mit dem Urknall selbst verknüpft sind.