🔭 Eine Ausrichtung von Galaxien, die durch einen kosmischen Filament verbunden sind

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: arXiv
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Wie organisieren sich die Milliarden von Galaxien im Universum? WĂ€hrend der Nachthimmel den Eindruck einer zufĂ€lligen Verstreuung vermittelt, lenkt in Wirklichkeit ein unsichtbares riesiges GerĂŒst ihre Verteilung. Diese von theoretischen Modellen vorhergesagte Struktur verbindet Galaxienhaufen durch lange Filamente und erinnert an die Maschen eines Spinnennetzes im kosmischen Maßstab.

In der Region der Großen-BĂ€ren-Supergruppe haben Astronomen eine lineare Anordnung von Galaxien entdeckt, die sich ĂŒber fast vier Millionen Lichtjahre erstreckt. Diese Entdeckung, ermöglicht durch die Empfindlichkeit des chinesischen Radioteleskops FAST, wurde in einem Preprint auf arXiv geteilt. Sie entspricht einem dĂŒnnen Filament, einer Art kosmischem Pfad, auf dem sich Materie unter dem dominierenden Einfluss der Dunklen Materie sammelt – dieser unsichtbaren Komponente des Universums, von der man nur die gravitativen Effekte wahrnimmt.


Auf diesem Bild: Das diffuse Gas (gelb bis violett) im kosmischen Filament, das zwei Galaxien verbindet und sich ĂŒber eine weite Distanz von 3 Millionen Lichtjahren erstreckt.
Bildnachweis: Davide Tornotti/UniversitĂ  di Milano-Bicocca

Diese Filamente sind keine einfachen visuellen Ausrichtungen. Sie fungieren als kosmische Autobahnen, die interstellares Gas kanalisieren, das als Treibstoff fĂŒr die Stern- und Galaxienbildung dient. Die Dunkle Materie wirkt mit ihrer Gravitationskraft wie ein riesiger Magnet innerhalb dieser Strukturen, zieht gewöhnliche Materie an und leitet die Geburt von Galaxien ein. Diese Beobachtung zeigt somit, wie das Universum seine eigene Entwicklung im großen Maßstab aktiv steuert.

Die FĂ€higkeit, solche dĂŒnnen Filamente zu entdecken, markiert einen bedeutenden Fortschritt in der beobachtenden Astronomie. Instrumente wie das Radioteleskop FAST ermöglichen es nun, Regionen des Kosmos zu erforschen, in denen das Licht sehr schwach ist. Durch das Studium der Radioemission von neutralem Wasserstoff können Forscher die Verteilung und Bewegung der gasförmigen Materie kartieren und die verborgene Geometrie dieser fadenförmigen Strukturen enthĂŒllen.

Diese Entdeckung lĂŒftet den Schleier ĂŒber die Prozesse der Galaxienbildung. Galaxien entlang eines Filaments scheinen eine gemeinsame Geschichte zu teilen, beeinflusst von derselben gravitativen Umgebung. Sie können sich so synchronisiert entwickeln, wachsen oder im Laufe der Zeit sogar verschmelzen. Das VerstĂ€ndnis dieser Dynamiken trĂ€gt dazu bei, das Szenario nachzuvollziehen, das das Universum vom Urknall bis zu seiner heutigen Struktur als kosmisches Netz geformt hat.

Die Forschung geht weiter, um andere Àhnliche Filamente zu identifizieren und ihre physikalischen Eigenschaften genauer zu vermessen.


Eine Simulation einer riesigen Region des Kosmos, erstellt mit einem Supercomputer und basierend auf dem Standardmodell der Kosmologie.
Bildnachweis: Alejandro Benitez-Llambay/MPA/UniversitĂ  di Milano-Bicocca


Radioastronomie: Dem Wasserstoff des Universums lauschen


Die Entdeckung dĂŒnner Filamente beruht oft auf der Radioastronomie, einer Technik, die die von Himmelsobjekten ausgesendeten Radiowellen einfĂ€ngt. Im Gegensatz zum sichtbaren Licht durchdringen diese Wellen Staubwolken leichter und können kalte, diffuse Regionen enthĂŒllen, wie die riesigen Reservoire aus neutralem Wasserstoffgas.

Das Wasserstoffatom, das hĂ€ufigste Element im Universum, emittiert eine sehr spezifische Radiowelle mit einer WellenlĂ€nge von 21 Zentimetern. Indem sie ein Radioteleskop wie FAST auf eine Himmelsregion richten, können Astronomen dieses Signal erfassen. Seine IntensitĂ€t und seine Rotverschiebung geben Aufschluss ĂŒber die Menge des vorhandenen Wasserstoffs und die Entfernung, in der er sich befindet.

Durch die Kartierung dieser Emission ĂŒber große Himmelsbereiche wird es möglich, die rĂ€umliche Verteilung des Gases zu rekonstruieren. Die Ausrichtungen und Gasansammlungen verraten dann die PrĂ€senz von filamentĂ€ren Strukturen, selbst wenn die zugehörigen Galaxien wenige oder wenig leuchtstark sind. Diese Methode ermöglicht es so, das gasförmige Skelett des kosmischen Netzes zu 'sehen'.

Der Vorteil dieses Ansatzes ist seine Empfindlichkeit fĂŒr sehr dĂŒnne Umgebungen, genau dort, wo die feinsten Filamente liegen. Sie ergĂ€nzt Beobachtungen im sichtbaren Licht oder in Röntgenstrahlen, die effektiver fĂŒr die Untersuchung dichter Galaxienhaufen sind. Gemeinsam bieten diese Techniken einen vollstĂ€ndigeren Blick auf die Architektur des Universums.