🔬 Frauen besser immunisiert als Männer, aber zu welchem Preis

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: The American Journal of Human Genetics
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Das Immunsystem von Frauen ist reaktiver als das von Männern, aber diese Stärke hat ihren Preis.

Eine Überaktivität des Immunsystems erhöht nämlich das Risiko für Autoimmunerkrankungen, bei denen der Körper sein eigenes Gewebe angreift. Lupus zum Beispiel betrifft neun Frauen auf einen Mann. Dennoch blieben die biologischen Ursachen dieses Ungleichgewichts unklar. Eine umfangreiche Studie mit über einer Million Immunzellen hat nun verborgene genetische Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufgedeckt.


Illustrationsbild Pixabay

Forscher des Garvan Institute und der UNSW Sydney analysierten 1,25 Millionen Immunzellen von fast tausend gesunden Freiwilligen. Mithilfe von Einzelzell-Sequenzierungstechnologien konnten sie die Aktivität jeder einzelnen Zelle beobachten. Die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede: Männer haben mehr Monozyten, Zellen der ersten Verteidigungslinie, während Frauen mehr B-Lymphozyten und regulatorische T-Zellen aufweisen, mit einer stärkeren entzündlichen Aktivität.

Die Studie identifizierte über 1000 genetische Schalter, die die Aktivität von Genen steuern. Entgegen der Erwartung befindet sich die Mehrheit dieser Schalter nicht auf den Geschlechtschromosomen X oder Y, sondern auf den Autosomen, den von beiden Geschlechtern geteilten Chromosomen. Dies deutet darauf hin, dass die immunologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen weitaus subtiler sind als bisher angenommen.

Mehrere dieser Schalter wurden direkt mit dem Risiko für systemischen Lupus erythematodes in Verbindung gebracht. Die Forscher fanden genetische Varianten, die bei Frauen die Aktivität zweier mit dieser Krankheit verbundener Gene erhöhen. Diese Entdeckung bietet einen Ansatzpunkt, um zu verstehen, warum Lupus viel häufiger Frauen betrifft. Die genauen Mechanismen müssen noch erforscht werden, aber diese Ergebnisse eröffnen einen neuen Weg für die Forschung.

Diese Erkenntnisse könnten die Behandlung von Autoimmunerkrankungen verändern. Derzeit sind die Therapien oft standardisiert, doch die Forscher plädieren für personalisierte Ansätze. Wie Dr. Seyhan Yazar, Erstautor der Studie, erklärte: „Männliche und weibliche Autoimmunerkrankungen sind möglicherweise nicht identisch, und auch die Art und Weise ihrer Behandlung sollte unterschiedlich sein.“ Eine Präzisionsmedizin, die das Geschlecht des Patienten berücksichtigt, ist daher notwendig, um die Wirksamkeit der Therapien zu verbessern.

Diese Studie, veröffentlicht in The American Journal of Human Genetics, zeigt, dass das Geschlecht eine unverzichtbare biologische Variable ist, um die Immunität zu verstehen und maßgeschneiderte Behandlungen zu entwickeln. Der Weg zu einer wirklich personalisierten Medizin führt über diese Berücksichtigung.