⌛ Für unmöglich gehalten: Diese Höhlenmalereien in Frankreich wurden datiert

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: PNAS
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Seit mehr als hundert Jahren faszinieren die prächtigen Malereien der Höhle von Font-de-Gaume die Wissenschaftler. Doch eine wesentliche Frage blieb unbeantwortet: ihr genaues Alter. Keine direkte Datierungsmethode hatte funktioniert.

Die Archäologen nahmen an, dass die Pigmente keinen Kohlenstoff enthielten, was die Radiokarbonmethode unbrauchbar machte. Doch eine aktuelle Studie hat diese Annahme erschüttert. Durch eine sorgfältige Analyse der chemischen Zusammensetzung der schwarzen Zeichnungen entdeckten die Forscher das Vorhandensein von Holzkohle und eröffneten so einen neuen Weg, um diese prähistorischen Meisterwerke zu datieren.


Hyperspektralbild des Carrefour-Panels, aufgenommen mittels Reflexionsbildgebung, das den Kontrast zwischen den mit Kohlenstoffschwarz (rot) und denen mit Manganoxiden (grün) ausgeführten Figuren zeigt.
Quelle: TU Delft, Matthias Alfeld

Bislang galten die schwarzen Pigmente der paläolithischen Kunst der Region als auf Eisen- und Manganoxiden basierend. Man ging davon aus, dass sie keine organische Substanz enthielten, was eine Kohlenstoff-14-Datierung verhinderte. Diese Annahme war nie gründlich überprüft worden. Die Forscher beschlossen daher, zwei Figuren genau zu untersuchen: einen Bison und eine Maske. Dazu setzten sie nicht-invasive Techniken wie die Raman-Mikrospektrometrie und die Hyperspektralbildgebung ein, die eine Analyse der Zusammensetzung ermöglichen, ohne die Werke zu beschädigen.

Diese Analysen brachten eine Überraschung: In den schwarzen Pigmenten wurden Spuren von Holzkohle nachgewiesen. Die Holzkohle war homogen in den Linien der Figuren vorhanden, was eine moderne Verunreinigung durch Besucher oder Graffiti ausschließt. Diese Entdeckung ebnete den Weg für eine direkte Datierung. Die Wissenschaftler beantragten daher eine Sondergenehmigung, um winzige Proben zu entnehmen. Der Vorgang war heikel, da die verfügbaren Mengen minimal waren, aber ausreichten, um Radiokarbonmessungen durchzuführen.

Die erzielten Datierungen bestätigen, dass diese Werke zum Jungpaläolithikum gehören, mit etwas jüngeren Altersangaben als frühere Schätzungen. Der Bison wurde vor 13.461 bis 13.162 Jahren vor heute (cal BP) gemalt. Die Maske hingegen ergab unterschiedliche Daten für verschiedene Teile: von 8.993 bis 8.590 cal BP, von 15.981 bis 15.121 cal BP und von 15.297 bis 14.246 cal BP. Diese Vielfalt deutet darauf hin, dass die Maske in mehreren Epochen geschaffen oder verändert wurde, was neue Erkenntnisse über die künstlerischen Praktiken liefert.


Höhlenmalereien in der Grotte von Font-de-Gaume, Dordogne.
Quelle: Centre des monuments nationaux / Centre de recherche et de restauration des musées de France, Anne Maigret

Diese Methode der chemischen Analyse eröffnet den Weg zur Datierung weiterer paläolithischer Figuren in der Region. Bislang konnte die Höhlenkunst der Dordogne, einschließlich der von Lascaux, nicht direkt datiert werden. Mit dieser Technik hoffen die Forscher, eine genauere Chronologie der Höhlenkunst zu erstellen, was ein besseres Verständnis der Entwicklung künstlerischer Techniken und der Bewegungen prähistorischer Bevölkerungen ermöglichen würde. Die in der Zeitschrift PNAS veröffentlichte Studie markiert einen Wendepunkt in der Archäologie der Kunst.

Die Auswirkungen dieser Entdeckung gehen über den Fundort Font-de-Gaume hinaus. Wenn derselbe Ansatz auf andere verzierte Höhlen angewendet wird, könnten die Wissenschaftler eine der größten Fragen der Vorgeschichte lösen: die Chronologie der Höhlenkunst. Jede neue Datierung wird es ermöglichen, die Werke miteinander und mit archäologischen Funden in Verbindung zu bringen.

Die Kohlenstoff-14-Datierung


Kohlenstoff-14 ist ein radioaktives Isotop, das in allen Lebewesen vorkommt. Wenn ein Organismus stirbt, hört er auf, es aufzunehmen, und die Menge an Kohlenstoff-14 nimmt langsam mit einer bekannten Rate ab. Indem man den verbleibenden Kohlenstoff-14 in einer Probe misst, kann man ihr Alter bis zu etwa 50.000 Jahren berechnen.

Um Gemälde zu datieren, muss man organischen Kohlenstoff wie Holzkohle finden. Mineralische Pigmente enthalten keinen. Die Entdeckung von Holzkohle in den Zeichnungen war daher entscheidend. Die Wissenschaftler entnahmen winzige Fragmente und verbrannten sie dann, um den Kohlenstoff zu extrahieren. Dieser wurde in einem Teilchenbeschleuniger analysiert.

Die Ergebnisse werden in Jahren vor heute (BP) angegeben, mit einer Kalibrierung, die die vergangenen Schwankungen des Kohlenstoff-14 in der Atmosphäre berücksichtigt. So sind die erhaltenen Daten zuverlässig und zwischen Fundorten vergleichbar.