🦠 Krebs: tumorabtötende Bakterien

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: PLOS Biology
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Mikroben zur Bekämpfung von Krankheiten wie Krebs einzusetzen, erscheint auf den ersten Blick kontraintuitiv. Doch dieser Ansatz steht im Mittelpunkt einer Arbeit chinesischer Forscher, denen es gelungen ist, probiotische Bakterien in intelligente Vehikel umzuwandeln. Diese sind in der Lage, ein Medikament direkt im Inneren von Tumoren herzustellen und dorthin zu transportieren, was einen potenziell präziseren und effektiveren therapeutischen Ansatz bietet.

Ihre in PLOS Biology veröffentlichte Arbeit nutzt den probiotischen Stamm Escherichia coli Nissle 1917. Das Team hat ihn gentechnisch so verändert, dass er Romidepsin produziert, ein bereits klinisch zugelassenes Krebsmedikament. Diese Strategie macht sich die natürliche Fähigkeit dieser Bakterien zunutze, bestimmte Regionen des Körpers, insbesondere Tumorgewebe, zu besiedeln.


Um diesen Ansatz zu testen, wurden Experimente an Mäusen mit Brusttumoren durchgeführt. Die modifizierten Bakterien reicherten sich gut in den Tumormassen an, wo sie das Romidepsin kontrolliert freisetzten. Diese lokale Verabreichung der Behandlung könnte so deren Auswirkung auf die umliegenden gesunden Zellen begrenzen.

Die Beobachtungen zeigen eine verringerte Tumorwachstumsrate bei den Tieren, die diese Behandlung erhalten haben. Laut den Autoren verstärkt die Besiedlung der Tumore durch die Bakterien die Aktivität des Romidepsins und schafft so eine Therapie mit Doppeleffekt. Es ist wichtig festzuhalten, dass dieses System bisher nur an Mäusen evaluiert wurde.

Bevor eine Anwendung beim Menschen in Betracht gezogen werden kann, müssen mehrere Punkte geklärt werden. Die langfristige Sicherheit, die Möglichkeit, die Bakterien nach der Behandlung zu eliminieren, und ihr Verhalten in einem menschlichen Organismus erfordern weitere Untersuchungen. Diese nachfolgenden Studien werden entscheidend sein, um den tatsächlichen Nutzen dieser Methode zu bewerten.