Wenn man vom Anstieg der Meere spricht, stellt man sich oft vor, dass die Ozeane immer mehr Land gewinnen. Doch eine neue Studie zeigt, dass die Landsenkung in vielen Küstenstädten die Überschwemmungen ebenso stark verschlimmert.
Um dieses Phänomen genau zu messen, haben Forscher des Deutschen Geodätischen Forschungsinstituts der Technischen Universität München und der Tulane University dessen Ausmaß quantifiziert. In ihrer Veröffentlichung in Nature Communications zeigen sie, dass dicht besiedelte Küstenregionen einen relativen Meeresspiegelanstieg von etwa 6 Millimetern pro Jahr erleben. Dieser Wert ist fast doppelt so hoch wie der Anstieg allein durch den Klimawandel und dreimal so hoch wie der globale, nach Küstenlänge gewichtete Durchschnitt.
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Die Landsenkung hat mehrere Hauptursachen. Übermäßige Grundwasserentnahme, Öl- und Gasförderung sowie die Verdichtung junger Sedimente in Deltas sind wesentliche Faktoren. Auch das Gewicht von Gebäuden und Infrastruktur in schnell wachsenden Städten trägt dazu bei. Langfristige geologische Prozesse wie tektonische Bewegungen und die postglaziale Landhebung spielen ebenfalls eine Rolle.
Die am stärksten betroffenen Gebiete sind Jakarta (13,7 mm/Jahr), Tianjin (13,5 mm/Jahr), Bangkok (8,5 mm/Jahr), Lagos (6,7 mm/Jahr) und Alexandria (4 mm/Jahr). Innerhalb einer Stadt können die Raten stark variieren: In Jakarta sinken einige Gebiete ab, während andere sich heben. Umgekehrt erleben Regionen wie Schweden und Finnland eine geologische Hebung, die den relativen Meeresspiegel senkt.
Die gute Nachricht ist, dass die Landsenkung verlangsamt werden kann. Dr. Julius Oelsmann, Hauptautor, erklärt, dass das Grundwassermanagement eine wirksame lokale Maßnahme sei. Tokio konnte so seine relative Absenkung von über 10 cm/Jahr auf ein deutlich geringeres Niveau reduzieren, dank Einschränkungen beim Pumpen und alternativen Wasserquellen.