📜 Nach 2000 Jahren: Die Symbole der Pyramiden von Teotihuacán entschlüsselt

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: Current Anthropology
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Die gewaltigen Pyramiden von Teotihuacán in Mexiko bewahren die Spuren einer bedeutenden, über zweitausend Jahre alten Zivilisation. Ein Rätsel bleibt jedoch bestehen: Niemand weiß mit Sicherheit, wer diese große Stadt erbaut hat. Die zahlreichen Symbole, die ihre Wände und Gegenstände schmücken, könnten nun endlich einen Teil der Antwort liefern, wie neue wissenschaftliche Arbeiten nahelegen.

Ein Team der Universität Kopenhagen unter der Leitung von Magnus Pharao Hansen und Christophe Helmke hat diese Zeichen untersucht und stellt die These auf, dass sie ein echtes Schriftsystem bilden. Ihre in Current Anthropology veröffentlichten Schlussfolgerungen legen nahe, dass diese Schrift eine alte Sprache der Uto-Aztekischen Sprachfamilie notiert, die mit dem später von den Azteken gesprochenen Nahuatl verwandt ist.


Bild Wikimedia

Dieser linguistische Ansatz erweitert unsere Sicht auf die Vergangenheit. Durch die Rekonstruktion einer archaischen Form des Nahuatl konnten die Wissenschaftler die Texte von Teotihuacán mit dieser Modellsprache vergleichen. Sie schätzen, dass Gruppen, die ein urtümliches Nahuatl sprachen, in der Stadt gelebt haben könnten, lange bevor sie verlassen wurde. Auf diese Weise wird es möglich, Verbindungen zwischen Kulturen herzustellen, die getrennt zu sein schienen, und eine Kontinuität in die mesoamerikanische Geschichte einzuführen.

Der Ansatz zur Interpretation dieser Zeichen ist methodisch. Einige Symbole fungieren als Logogramme, die direkt Konzepte oder Objekte darstellen, ähnlich wie ein Kojote für das Tier steht. Andere arbeiten nach dem Rebus-Prinzip, bei dem die durch Bilder evozierten Laute sich zu abstrakteren Begriffen zusammensetzen. Eine genaue Kenntnis der historischen Aussprache ist für eine korrekte Lesart unerlässlich, was eine enge Zusammenarbeit zwischen Linguisten und Archäologen erfordert.


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Wenn sich diese Entdeckungen bestätigen, könnten sie unser Verständnis der Regionalgeschichte verändern. Teotihuacán wäre dann keine isolierte Entität mehr, sondern ein kultureller Knotenpunkt mit nachhaltigem Einfluss. Die Implikationen betreffen die Beständigkeit von Sprachen und Traditionen.

Die Arbeiten werden fortgesetzt mit dem Ziel, neue Inschriften zu entdecken, um diese Hypothesen zu untermauern. Ihre Methode, die auf linguistischer Rekonstruktion und kontextueller Analyse basiert, könnte als Modell für zukünftige Forschungen dienen. Diese Entdeckung lädt auch dazu ein, andere Artefakte neu zu untersuchen und könnte helfen, andere vergleichbare archäologische Rätsel zu lösen.


Beispiel eines linearen Textes in Teotihuacán-Schrift, in drei Spalten auf dem Boden der Plaza de los Glifos gemalt.
Bildnachweis: Christophe Helmke, Universität Kopenhagen


Wie funktionieren Logogramme in alten Schriften?


Logogramme sind Symbole, die ganze Wörter oder Ideen repräsentieren, anstatt einzelne Laute. In vielen Kulturen, wie im alten Ägypten oder China, ermöglichen diese visuellen Zeichen eine direkte Kommunikation, bei der eine Zeichnung eines Hauses "Haus" oder verwandte Konzepte wie "Unterschlupf" oder "Familie" bedeuten kann. Diese visuelle Einfachheit erleichtert die Übermittlung grundlegender Informationen, schränkt aber den Ausdruck komplexer oder abstrakter Begriffe ein.

Um diese Einschränkung zu umgehen, kombinieren Schriftsysteme oft Logogramme mit phonetischen Elementen. In der Schrift von Teotihuacán beispielsweise fungieren einige Symbole als Rebus: Das Bild eines Objekts ruft den Klang seines Namens hervor, und diese Klänge fügen sich zu anderen Wörtern zusammen. Dies erfordert ein tiefgehendes Wissen der damals gesprochenen Sprache, da sich die Aussprachen im Laufe der Zeit verändern und die Interpretation erschweren.

Das Studium dieser Mechanismen hilft Forschern, alte Texte zu lesen. Durch die Identifizierung wiederkehrender Logogramme und ihrer Verwendungskontexte können sie Entsprechungen zu bekannten Sprachen herstellen. Diese Methode war entscheidend für die Interpretation von Schriften wie der Maya-Schrift oder Linear B und wird nun auf Teotihuacán angewendet.