📜 Entdeckung einer römischen ErzĂ€hlung vom Trojanischen Krieg, die sich stark von der Homers unterscheidet

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: Britannia
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Ein archĂ€ologischer Schatz wurde wĂ€hrend des COVID-19-Lockdowns im Jahr 2020 entdeckt, der eine Geschichte vom Trojanischen Krieg erzĂ€hlt, die sich stark von der uns durch Homer bekannten unterscheidet. Diese ĂŒberraschende Entdeckung stammt aus einem römischen Mosaik in England und stellt unsere Vorstellungen von der antiken griechischen Kultur in Frage.

Die Fundstelle in Ketton in Rutland brachte dieses Kunstwerk 2020 wĂ€hrend einer zufĂ€lligen Ausgrabung auf einem Familienbauernhof ans Licht. ZunĂ€chst dachten die Forscher, es handele sich um eine klassische Darstellung der Ilias, doch neuere Analysen zeigten etwas Unerwartetes. Das Mosaik wurde schnell zum Nationaldenkmal erklĂ€rt, was seine Bedeutung fĂŒr die britische Geschichte unterstreicht.


Mosaik von Ketton.
Bildnachweis: ULAS

Die eingehende Studie der UniversitĂ€t Leicester deutet darauf hin, dass die dargestellten Szenen nicht mit Homers ErzĂ€hlung ĂŒbereinstimmen. Stattdessen scheinen sie von einem verlorenen StĂŒck des Aischylos mit dem Titel "Die Phryger" inspiriert zu sein. Diese alternative Version beleuchtet Episoden wie den Kampf zwischen Achilles und Hektor oder das Abwiegen von Hektors Leichnam gegen Gold – Elemente, die im traditionellen Epos fehlen.

Die kĂŒnstlerischen Motive des Mosaiks weisen auffĂ€llige Ähnlichkeiten mit Ă€lteren Werken aus Griechenland, der TĂŒrkei und Gallien auf. Diese Beobachtung lĂ€sst vermuten, dass die Handwerker im römischen Britannien nicht isoliert waren, sondern Teil eines weitreichenden mediterranen Kulturnetzwerks. Sie nutzten Musterkataloge, die ĂŒber Generationen weitergegeben wurden.


Mosaik von Ketton.
Bildnachweis: ULAS

Diese kĂŒnstlerische Integration lĂ€sst darauf schließen, dass das Kulturleben im römischen Britannien kosmopolitischer war als bisher angenommen. Die EigentĂŒmer der Villa in Ketton hatten Zugang zu seltenen ErzĂ€hlungen und zeigten einen Geschmack fĂŒr ungewöhnliche Versionen der Mythologie. Die Veröffentlichungsarbeiten werden fortgesetzt, um diese Entdeckungen mit der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu teilen.

ZukĂŒnftige Forschungen könnten uns mehr ĂŒber die Verbreitung dieser Geschichten lehren. Vorerst bietet dieses Mosaik einen wertvollen Einblick in den Kulturaustausch in der Antike und verbindet das römische England mit den klassischen Traditionen des Mittelmeerraums.


Mosaik von Ketton.
Bildnachweis: ULAS


Kulturnetzwerke im Römischen Reich


Das Römische Reich war ein riesiges Territorium, in dem Ideen und Techniken sich leicht verbreiteten. Handwerker und HĂ€ndler reisten umher und brachten ihr Know-how und kĂŒnstlerische Traditionen mit sich. Dies schuf einen kulturellen Mix, in dem Regionen wie das römische Britannien mediterrane Stile ĂŒbernehmen konnten.

Die PrĂ€senz Ă€hnlicher Motive in Griechenland, der TĂŒrkei und Gallien deutet darauf hin, dass diese Netzwerke gut etabliert waren. Objekte wie MĂŒnzen, Silbervasen und Mosaike dienten als TrĂ€ger, um diese Designs zu verbreiten. So konnten die EigentĂŒmer römischer Villen im heutigen England ihren Raffinesse zeigen, indem sie seltene Kunstwerke wĂ€hlten.

Diese Integration zeigt, dass das römische Britannien keine isolierte Peripherie war. Im Gegenteil, es beteiligte sich aktiv an den kulturellen Strömungen der Zeit. Entdeckungen wie die von Ketton untermauern die Vorstellung einer vernetzten antiken Welt, in der Kunst als Bindeglied zwischen verschiedenen Gemeinschaften diente.