🔭 Hubble enthĂŒllt die "verlorene" Galaxie NGC 4535

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: ESA/Hubble
Andere Sprachen: FR, EN, ES, PT
Unter den unzÀhligen Galaxien im Kosmos bleiben einige von der Erde aus unauffÀllig. NGC 4535, die etwa 50 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Jungfrau liegt, veranschaulicht dieses PhÀnomen gut. Mit bescheidenen Instrumenten beobachtet, erscheint sie so blass, dass sie den Spitznamen "Die verlorene Galaxie" erhielt und so ihre wahre Natur vor Amateurastronomen verbirgt.

Dank des Hubble-Weltraumteleskops zeigt diese Galaxie nun endlich ihre Merkmale. Ausgestattet mit einem 2,4-Meter-Spiegel fÀngt Hubble Details ein, die vom Boden aus unsichtbar sind, und zeigt klar gezeichnete Spiralarme und einen dichten Zentralbalken.


Fast unsichtbar von der Erde, erwacht NGC 4535 unter Hubbles Blick mit wirbelnden Armen, gefĂŒllt mit jungen blauen Sternen und leuchtend rosa Nebeln.
Bildnachweis: ESA/Hubble & NASA, F. Belfiore, J. Lee und das PHANGS-HST Team

Das Hubble-Bild hebt zahlreiche junge Sternhaufen hervor, die entlang der Spiralarme von NGC 4535 verstreut sind. Diese Sterne von intensiver blauer Farbe weisen auf eine relative Jugend und eine hohe Temperatur hin. Um sie herum leuchten rosa Wolken, bekannt als H-II-Regionen, durch die Strahlung naher massereicher Sterne und signalisieren so eine weiterhin andauernde SternentstehungsaktivitÀt.

Diese massereichen Sterne beeinflussen ihre Umgebung tiefgreifend. Ihre energiereiche Strahlung und stellaren Winde drĂŒcken das umgebende Gas zusammen und lösen so die Geburt neuer Sterne aus. Am Ende ihres Lebens explodieren sie als Supernovae, verteilen schwere Elemente und gestalten das interstellare Medium um, was den Boden fĂŒr zukĂŒnftige Sterngenerationen bereitet.

Die Untersuchung von NGC 4535 ist Teil des PHANGS-Programms, einer großen Forschungsinitiative, die Tausende von Sternentstehungsregionen in nahen Galaxien kartieren will. Durch das Sammeln von Daten ĂŒber diese vielfĂ€ltigen Umgebungen verstehen Wissenschaftler besser, wie junge Sterne mit kaltem Gas interagieren. Dieses Projekt hilft, ein umfassenderes Bild der galaktischen Evolution zu zeichnen.

H-II-Regionen


H-II-Regionen sind Wolken aus Gas, das hauptsĂ€chlich aus ionisiertem Wasserstoff besteht. Sie bilden sich in der NĂ€he massereicher, junger Sterne, deren intensive ultraviolette Strahlung den Elektronen Wasserstoffatomen entreißt. Dieser Prozess erzeugt eine Ionisation, die das Gas zum Leuchten bringt und charakteristische rosa oder rote Töne erzeugt, die auf astronomischen Bildern sichtbar sind.

Diese Regionen dienen als Wiegen fĂŒr neue Sterne. Das heiße ionisierte Gas kann unter dem Einfluss der Schwerkraft kondensieren und Sternhaufen bilden. Die Anwesenheit von H-II-Regionen deutet daher auf eine aktive Sternentstehung hin, da sie eine stĂ€ndige Energiezufuhr von nahen Sternen benötigen, um ihre Leuchtkraft aufrechtzuerhalten.

In der Astronomie hilft die Untersuchung von H-II-Regionen, die Sternentstehungsraten in Galaxien zu messen. Wissenschaftler nutzen ihre Helligkeit und Verteilung, um abzuschĂ€tzen, wie viele Sterne in verschiedenen Regionen geboren werden. Dies ermöglicht den Vergleich von Galaxien und ein besseres VerstĂ€ndnis darĂŒber, wie Faktoren wie die Gasdichte die stellare Entwicklung beeinflussen.

DarĂŒber hinaus spielen diese Wolken eine Rolle im Kreislauf der interstellaren Materie. Wenn massereiche Sterne als Supernovae sterben, reichern sie das umgebende Gas mit schweren Elementen an, die dann an der Bildung neuer Sterne und Planeten teilnehmen können und so den kosmischen Kreislauf aufrechterhalten.