🦍 Hier ist der Grund, warum Primaten homosexuelles Verhalten zeigen

Veröffentlicht von Cédric,
Autor des Artikels: Cédric DEPOND
Quelle: Nature Ecology & Evolution Artikel 1 und Artikel 2
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Die Beobachtung homosexuellen Verhaltens bei Tieren wirft seit langem Fragen nach seinen Ursprüngen und Funktionen auf. Eine aktuelle Studie, die sich auf Primaten konzentrierte, zeigt, dass dieses Verhalten nicht zufällig ist, sondern tatsächlich mit spezifischen Umwelt- und Sozialdruck verbunden ist. Diese Forschung deutet sogar darauf hin, dass es sich um eine evolutionäre Strategie handeln könnte, die zum Zusammenhalt und zur Widerstandsfähigkeit von Gruppen beiträgt.

Durch die Analyse von Daten von fast 500 nichtmenschlichen Primatenarten identifizierten Wissenschaftler sexuelles Verhalten zwischen Individuen desselben Geschlechts bei 59 von ihnen. Dieses Phänomen scheint alte evolutionäre Wurzeln zu haben. Die Studie, veröffentlicht in Nature Ecology & Evolution, versucht, die ökologischen und sozialen Faktoren zu interpretieren, die die Entstehung dieses Verhaltens begünstigen.


Bild Wikimedia


Eine adaptive Reaktion auf feindliche Umgebungen


Die Forscher stellten einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Häufigkeit homosexuellen Verhaltens und der Härte der Lebensbedingungen her. Dieses Verhalten tritt häufiger bei Arten auf, die in Umgebungen leben, in denen Nahrung knapp oder schwer zugänglich ist. Dies war insbesondere bei Berberaffen der Fall, die in einem kargen Lebensraum leben. Dies lässt vermuten, dass diese Praktiken eine Rolle beim Management von Spannungen innerhalb der Gruppe angesichts von Widrigkeiten spielen könnten.

Ein weiterer Faktor ist der Druck durch Raubtiere. Arten, die ständig von Raubtieren bedroht werden, wie z.B. Grüne Meerkatzen, die ständig Schlangen und Großkatzen ausweichen müssen, zeigen häufiger homosexuelles Verhalten. Angesichts einer permanenten Gefahr würde die Stärkung des sozialen Zusammenhalts also zu einer Priorität für das Überleben der Gruppe werden. Diese Interaktionen könnten als Beruhigungsmechanismus dienen, interne Konflikte reduzieren und Allianzen angesichts externer Bedrohungen festigen.

Schließlich zeigt die Analyse, dass dieses Verhalten nicht das Ergebnis von Zufall oder Zwang ist. Es scheint in das natürliche Verhalten der Art integriert zu sein, beeinflusst durch ihre evolutionäre Geschichte. Seine Beständigkeit über viele Primatenlinien hinweg, von Lemuren bis zu Menschenaffen, bestätigt, dass es Teil eines "Verhaltens-Werkzeugkastens" ist, der als Reaktion auf spezifische Bedürfnisse aktiviert werden kann.

Die zentrale Rolle der sozialen Komplexität


Ein weiterer entscheidender Punkt scheint die soziale Struktur der Arten zu sein. Homosexuelles Verhalten wird tatsächlich häufiger bei Primaten beobachtet, die in hierarchischen Gesellschaften leben, wo der Wettbewerb um Ressourcen oder Status intensiv ist. Dies ist insbesondere bei Berggorillas der Fall, bei denen die Männchen viel größer sind als die Weibchen. Dieser Größendifferenz scheint ein entscheidender Punkt zu sein, da das Verhalten bei gleich großen Affen unterschiedlich zu sein scheint.

Bei Affen, die eine ausgeprägte Hierarchie und gewalttätige Konflikte aufweisen, scheinen homosexuelle Interaktionen erstaunlicherweise als eine Art soziale Strategie zu funktionieren. Sie könnten dazu dienen, Allianzen zu knüpfen und zu festigen, Konflikte ohne Gewalt zu bewältigen oder sogar die eigene Position innerhalb einer Gruppe auszuhandeln. Beobachtungen bei Rhesusaffen zeigten, dass Männchen, die sich an solchem Verhalten beteiligten, Koalitionen bildeten, die ihnen anschließend besseren Zugang zu Weibchen und damit zu Nachwuchs verschafften.

Diese soziale Funktion ist besonders wertvoll für langlebige Arten, für die die Stabilität von Beziehungen auf lange Sicht von Vorteil ist. Die Forscher schließen daraus, dass dieses Verhalten ein integraler Bestandteil des sozialen Gefüges vieler Primatenarten ist und eine Anpassung an das Leben in Gruppen darstellt.