Wenn Sie den Sternenhimmel betrachten, haben Sie vielleicht schon helle Punkte bemerkt, die sich schnell bewegen. Dabei handelt es sich um Satelliten, deren Zahl ständig zunimmt. Doch was geschieht, wenn diese Raumfahrzeuge zur Erde zurückfallen? Eine neue Studie liefert unerwartete Antworten und deckt potenzielle Risiken für die Menschen am Boden auf.
Kanadische Forscher haben elf Megakonstellationen von Satelliten untersucht, die mehr als 73.000 Raumfahrzeuge umfassen. Ihre Berechnungen zeigen, dass, wenn sich diese Satelliten beim Wiedereintritt in die Atmosphäre nicht vollständig auflösen, das kollektive Risiko von Verletzungen oder Todesfällen am Boden – also unter Berücksichtigung aller Raumfahrzeuge – 40 % erreichen könnte. Diese Schätzung berücksichtigt die bei der Konstruktion der Satelliten verwendeten Materialien und hat erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit.
Bild SpaceX
Materialien wie Aluminium neigen dazu, vollständig zu schmelzen, während andere, wie rostfreier Stahl oder Titan, der intensiven Hitze besser widerstehen. Diese Komponenten finden sich oft in Treibstofftanks und Reaktionsrädern (Schwungrädern). Beim Wiedereintritt zerbrechen die aerodynamischen Kräfte die Satelliten, und die Hitze trägt die Materialien in feine Partikel ab. Dennoch verbrennen viele Satelliten, insbesondere größere, nicht vollständig, sodass Trümmer übrig bleiben, die den Boden erreichen können.
Es bleibt ungewiss, ob eine vollständige Desintegration garantiert werden kann. Wenn Trümmer widerstehen, können sie sich bei einem unkontrollierten Wiedereintritt über ein weites Gebiet verteilen. Derzeit berücksichtigen Sicherheitsnormen oft nicht die kumulative Wirkung von Tausenden Satelliten. Dies birgt ein Risiko nicht nur für Menschen am Boden, sondern auch für Flugzeuge in der Luft und Infrastruktur, was erhöhte Aufmerksamkeit erfordert.
Die Forscher erwähnen in ihrer Analyse die Möglichkeit, Konstellationen mit weniger Satelliten, aber höherer Kapazität und Lebensdauer zu entwerfen. Dieser Ansatz würde die Risiken und potenziellen Schäden verringern. Ihre in der Zeitschrift Space Policy veröffentlichte Studie zeigt die Notwendigkeit einer eingehenden Überlegung zu den aktuellen Weltraumpraktiken und ihren langfristigen Folgen.
Von der Internationalen Raumstation aus sind die Starlink-Satelliten von SpaceX als helle Streifen über der Erde sichtbar, begleitet von Blitzen und den Lichtern der Städte. Bildnachweis: Don Petit/NASA
Um diese Gefahren zu mindern, empfiehlt das Team mehrere Maßnahmen. Staaten und Regulierungsbehörden sollten eine unabhängige Überprüfung der Behauptungen zur vollständigen Desintegration verlangen. Es ist wichtig, die Risiken nicht für einen einzelnen Satelliten, sondern für die gesamte Flotte zu bewerten und auf ein weltweit anwendbares Regime für kontrollierte Wiedereintritte hinzuarbeiten.