Veröffentlicht von Adrien, Quelle: Universität Genf Andere Sprachen: FR, EN, ES, PT
Welche Auswirkungen hat eine Virusinfektion auf unser Gedächtnis, unsere Aufmerksamkeit oder Konzentration? Die Covid-19-Pandemie hat das Interesse an dieser Frage neu entfacht, das mittlerweile auch auf andere Infektionen wie HIV, Herpes oder Hepatitis ausgeweitet wurde.
Trotz mehrerer Jahrzehnte Forschung sind die Auswirkungen von Virusinfektionen auf die kognitiven Funktionen – Gedächtnis, Konzentration, Aufmerksamkeit – nach wie vor wenig verstanden. Die meisten Studien stützen sich nämlich auf globale Screening-Instrumente, die für jede Krankheit separat angewendet werden.
Das Auftreten des SARS-CoV-2-Virus sowie die Häufigkeit und Persistenz kognitiver Folgeerscheinungen nach der Infektion haben das Interesse an diesem Forschungsgebiet jedoch neu entfacht. Mit ChatGPT (OpenAI) generiertes Bild
Das Auftreten des SARS-CoV-2-Virus sowie die Häufigkeit und Persistenz kognitiver Folgeerscheinungen nach der Infektion haben das Interesse an diesem Forschungsgebiet jedoch neu entfacht.
In einer neuen Studie hat ein Team der UNIGE und der HUG die Ergebnisse von 931 wissenschaftlichen Artikeln zusammengeführt und analysiert, die sich mit den Zusammenhängen zwischen dem Immunsystem und den kognitiven Funktionen bei verschiedenen Virusinfektionen wie SARS-CoV-2, HIV, Herpes oder Hepatitis befassen.
Diese Analyse bestätigt, dass eine anhaltende Entzündung – ursprünglich eine natürliche Reaktion des Körpers auf einen Angriff – mit Störungen des Gedächtnisses und der Konzentration in Verbindung gebracht werden könnte. Vor allem bringt sie jedoch bestimmte biologische Marker des Immunsystems ans Licht, die mit Schwankungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zusammenhängen.
"Hohe Konzentrationen von weißen Blutkörperchen, sogenannten ‚aktivierten Monozyten', und proinflammatorischen Zytokinen – Proteine, die es dem Immunsystem ermöglichen zu kommunizieren – korrelieren mit einem Rückgang des episodischen Gedächtnisses und der Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen", erklärt Anthony Nuber-Champier, Doktorand im Laboratorium für klinische und experimentelle Neuropsychologie der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften sowie am interfakultären Zentrum für affektive Wissenschaften der UNIGE und Erstautor der Studie.
Im Gegensatz dazu scheinen bestimmte Marker, wie aktivierte CD4+ T-Lymphozyten – ebenfalls weiße Blutkörperchen – oder antiinflammatorische Zytokine, mit einer besseren Erhaltung der kognitiven Fähigkeiten verbunden zu sein. "Die Immunantworten variieren jedoch von Person zu Person. Entscheidend scheint das Gleichgewicht zwischen diesen verschiedenen entzündlichen Signalen zu sein, um eine dauerhafte kognitive Stabilität aufrechtzuerhalten", betont der Forscher.