✏️ Krim-Neandertaler nutzten Ockerstifte

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: CNRS INEE
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Die Neandertaler auf der Krim formten und spitzen Ockerstifte nach, um absichtliche Markierungen zu machen, was beweist, dass Farbe eine Rolle in ihrer Art zu kommunizieren spielte und über die bloße Nutzanwendung hinausging. Veröffentlicht in Science Advances, stärken diese von einem internationalen Team durchgeführten Arbeiten die Idee, dass symbolisches Denken nicht allein Homo sapiens vorbehalten war.

Ein internationales Team, zu dem Forscher des Labors "Von der Vorgeschichte zur Gegenwart: Kultur, Umwelt und Anthropologie" (PACEA - CNRS / Universität Bordeaux / Ministerium für Kultur) gehörten, analysierte sechzehn Ockerfragmente von mehreren bedeutenden Fundorten, die Zeugnis von der Anwesenheit von Neandertalern in der Ukraine ablegen (Zaskalnaya V, Zaskalnaya VI, Prolom II und Mukhovets).


In der Studie analysierte Ockerfragmente und mikroskopische Ansicht der vier Seiten des Ockerstifts mit Nachspitzspuren.
© Francesco D'Errico

Dank chemischer Analysen (pXRF, SEM-EDS) und mikroskopischer Beobachtungen identifizierten die Wissenschaftler Spuren von Formgebung, Abnutzung und Nachspitzen, die auf eine langfristige Nutzung hinweisen. Zu den bedeutendsten Entdeckungen gehört ein länglicher Ockerstift, dessen Spitze Abriebspuren aufweist, die mit wiederholtem Reiben auf weichen Oberflächen vereinbar sind – Zeichen für den Willen, sichtbare Markierungen zu erzeugen.

Die Analysen zeigen, dass mehrere Pigmente aus demselben eisenreichen Aufschluss stammen, der 1,5 km von den Fundorten entfernt liegt. Andere Fragmente scheinen dagegen aus weiter entfernten Quellen zu stammen, die noch identifiziert werden müssen. Dies ist der erste direkte Zusammenhang, der zwischen neandertalischen Farbmaterialien und ihren geologischen Quellen auf der Krim hergestellt wird. Die Auswahl der Materialien aufgrund ihrer visuellen Eigenschaften und ihre regelmäßige Pflege zeugen von einer absichtlichen und ausdrucksstarken Nutzung von Farbe.

Die Forscher erstellten außerdem die erste Datenbank von Fundstellen des Moustérien und Acheuléen in Europa und Westasien, die Farbmaterialien geliefert haben, und ergänzten damit eine kürzlich für Afrika veröffentlichte Datenbank.

Diese Ergebnisse zeigen tiefgreifende Ähnlichkeiten zwischen den Praktiken der Krim-Neandertaler und denen der ersten Homo sapiens im südlichen Afrika, insbesondere in der Blombos-Höhle und am Klasies River, wo Ocker ebenfalls graviert, gemahlen und gemischt wurde, um Pigmente herzustellen. Diese Daten legen nahe, dass symbolischer Ausdruck und visuelle Kommunikation unabhängig voneinander in verschiedenen fossilen Arten entstanden sind.