🔭 Hier ist der reinste jemals beobachtete Stern

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: Nature Astronomy
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Ein außergewöhnlich reiner Stern wurde in der Großen Magellanschen Wolke entdeckt. Mit nur 0,005 % Metallanteil im Vergleich zur Sonne ist er der „reinste“, der je beobachtet wurde. Seine Existenz deutet darauf hin, dass er sich kurz nach den allerersten Sternen gebildet hat.

Dieser rote Riesenstern mit der Bezeichnung SDSS J0715‑7334 stammt aus der Großen Magellanschen Wolke, einer Zwerggalaxie, die mit unserer Milchstraße in Wechselwirkung steht. Seine Umlaufbahn zeigt, dass er aus dem äußeren Halo der Zwerggalaxie zuwandert. Die Forscher haben ihn aufgrund dieser Migration „die uralte Einwanderin“ getauft. Sein Alter reicht bis in die ersten hundert Millionen Jahre nach dem Urknall zurück.


Die chemische Analyse zeigt, dass SDSS J0715‑7334 durch die Trümmer einer Supernova eines Sterns der ersten Generation, der sogenannten Population III, kontaminiert wurde. Dieser Mutterstern, der mindestens dreißig Sonnenmassen hatte, explodierte auf besonders energiereiche Weise.

Diese direkte Verbindung zu einem Population‑III‑Stern ist beispiellos. Kein bekannter Stern weist eine Zusammensetzung auf, die der von Ursternen so nahe kommt. Astronomen gehen davon aus, dass die Population‑III‑Sterne massereich und kurzlebig waren, sodass eine direkte Beobachtung heute unmöglich ist. SDSS J0715‑7334 eröffnet daher ein Fenster in diese vergangene Epoche.

Die Entdeckung in der Großen Magellanschen Wolke deutet darauf hin, dass Zwerggalaxien einen höheren Anteil an extrem metallarmen Sternen beherbergen könnten. Im Gegensatz zur Milchstraße haben diese Galaxien eine späte Sternentstehungsaktivität erfahren. Ihre chemische Isolation hat nahezu jungfräuliche Gase bewahrt, die die Geburt von Sternen wie SDSS J0715‑7334 begünstigten.


Die Umlaufbahn des uralten Sterns verglichen mit der der Großen Magellanschen Wolke, die ihre Verbindung zeigt.
Bildnachweis: Vedant Chandra and the SDSS collaboration

Die Durchmusterungen des Sloan Digital Sky Survey (SDSS) ermöglichten die Identifizierung dieses Sterns unter Millionen. Mithilfe des Magellan-Spektrographen in Chile maßen die Forscher seine Zusammensetzung präzise. Die Studie von SDSS J0715‑7334, veröffentlicht in Nature Astronomy, markiert einen Schritt zum Verständnis der ersten Sterngenerationen.