🚗 Wir atmen Reifen, und nicht zu wenig

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: Communications Earth & Environment
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Die Luft, die wir atmen, enthält Plastikpartikel, und ein großer Teil stammt vom Abrieb der Reifen. Dies ist das Ergebnis von Analysen, die in Leipzig vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg durchgeführt wurden.

Die im Fachjournal Communications Earth & Environment veröffentlichte Studie schätzt, dass ein Einwohner Leipzigs täglich 2,1 Mikrogramm Plastik einatmet. Dieser Wert ist mit einem um 9 % erhöhten Risiko eines Todes durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und um 13 % für Lungenkrebs verbunden. Diese Zahlen übertreffen das Risiko, das in Europa herkömmlichen Feinstaubpartikeln zugeschrieben wird.


Illustrationsbild Pixabay

Warum dominiert der Reifenabrieb? Die Forscher identifizierten elf Arten von Polymeren in der Luft, darunter Polyethylen, PVC und PET. Aber die Reifenpartikel machen allein 65 % der gesamten Kunststoffmenge aus. Dies zeigt, dass selbst mit der Umstellung auf Elektrofahrzeuge dieses Problem bestehen bleiben oder sogar schlimmer werden wird, da Elektroautos schwerer sind und die Reifen stärker beanspruchen.

Diese Partikel sind schwer zu messen. Kunststoff ist kein einheitlicher Stoff, und herkömmliche optische Verfahren haben Schwierigkeiten, Nanopartikel zu erkennen. Die Wissenschaftler verwendeten daher eine Methode der Pyrolyse in Verbindung mit Gaschromatographie und Massenspektrometrie. Sie erstellten zunächst „Fingerabdrücke“ für jedes Polymer als Referenz und verglichen diese dann mit Luftproben, die im Jahr 2022 über zwei Wochen hinweg gesammelt wurden.

Nanopartikel, die kleiner als ein Mikrometer sind, können tief in die Atemwege eindringen und oxidativen Stress oder Entzündungen verursachen. Sie transportieren auch giftige Substanzen wie Schwermetalle oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Dennoch haben weder die WHO noch die Europäische Union Grenzwerte für Plastikpartikel in der Luft festgelegt.

Ankush Kaushik, Doktorand am TROPOS, merkt an, dass diese Ergebnisse die ersten in Deutschland sind, die Mikro- und Nanoplastik nach Polymertyp quantifizieren. Das Team plant, die saisonalen Veränderungen über ein ganzes Jahr zu untersuchen. Nach Ansicht der Forscher wird es dringend notwendig, Reifenpartikel in die Luftqualitätsvorschriften aufzunehmen, da sie eine bedeutende Quelle der Plastikverschmutzung darstellen.