Ein etwa 2,7 Meter langes aquatisches Raubtier lebte vor mehr als 200 Millionen Jahren in der Arktis. Sein nahezu vollständiges Skelett wurde 1948 auf Bjørnøya, der Bäreninsel, in Norwegen entdeckt. Eine neue Studie zeigt, dass es zu einer unbekannten Art gehörte, die Arctobatrachus urdensis getauft wurde.
Das Amphibium gehörte zu den Temnospondylen, einer heute ausgestorbenen Gruppe vierbeiniger Wirbeltiere. Ihr Zweig, die Plagiosauridae, umfasste vollständig im Wasser lebende Tiere mit einem sehr ungewöhnlichen Erscheinungsbild.

Evolution des Schultergürtels bei den Plagiosauridae. Vergleich des Schädels, der Knochen des Brustkorbs und, sofern bekannt, der Vordergliedmaßen von vier Arten, darunter Arctobatrachus urdensis.
Um sich Arctobatrachus vorzustellen, muss man an ein niedriges, breites und stark abgeflachtes Tier denken. Auch sein Kopf war sehr breit, mit großen Augenhöhlen und einem weiten Maul. Seine kurzen Gliedmaßen vervollständigten eine Körperform, die wenig für die schnelle Verfolgung von Beute geeignet war.
Die Plagiosauridae lebten wahrscheinlich überwiegend in Bodennähe. Sie konnten darauf warten, dass ein Fisch oder ein anderes kleines Tier in ihre Nähe kam. Dann konnten sie ihr breites Maul plötzlich öffnen und gemeinsam mit der Beute Wasser einsaugen. Diese Jagdmethode passt besser zu ihrem schweren, abgeflachten Körper als eine lange Verfolgungsjagd.
Die Länge von 2,7 Metern ist vor allem innerhalb dieser Familie bemerkenswert. Andere Temnospondylen erreichten mehrere Meter, doch die bekannten Plagiosauridae waren gewöhnlich kleiner. Gerrothorax pulcherrimus, einer der am besten bekannten Vertreter der Gruppe, war beispielsweise etwa 70 cm lang.

Typusexemplar von Arctobatrachus urdensis. Fotografien des Schädels und des Skeletts aus dem Jahr 1948, verglichen mit ihrem Zustand im Jahr 2025 nach einer starken Verschlechterung. Die Zeichnung rekonstruiert das Aussehen des Fossils zum Zeitpunkt seiner Entdeckung.
Maßstab: 10 cm.
Die Geschichte des Fossils geht auf eine britische Expedition im Jahr 1948 zurück. Das Skelett wurde in Gestein am Misery Mountain nahe dem Gipfel des Urd gefunden. Bereits 1949 berichtete eine kurze Veröffentlichung in Nature über diese Entdeckung und ordnete das Gestein der Obertrias zu.
Über Jahrzehnte wurde das Exemplar von Bjørnøya der europäischen Gattung Plagiosternum zugeordnet. Eine 2025 veröffentlichte Studie hatte bereits darauf hingewiesen, dass es sich in Wirklichkeit um ein anderes Tier handelte. Die neue Analyse von Rainer Schoch und seinen Kollegen ermöglicht es nun, ihm eine eigene Gattung und Art zuzuweisen.
Diese Neubewertung zeigt außerdem, dass die Plagiosauridae unterschiedlichere Körpergrößen erreichen konnten als bisher angenommen. Das arktische Fossil liefert mit seinen 2,7 Metern einen besonders spektakulären Beleg. Eine Schwierigkeit bleibt jedoch bestehen: Nicht das gesamte 1948 entdeckte Skelett wurde geborgen, und einige Elemente sind nur aus den vor Ort angefertigten Dokumenten bekannt.