📱 Eine SIM-Karte kann Ihr Smartphone hacken

Eine speziell präparierte SIM-Karte kann auf bestimmten Geräten dem Telefon Befehle erteilen und Aktionen auslösen, die normalerweise außerhalb seiner Möglichkeiten liegen.

Zum Verständnis: Eine SIM-Karte dient nicht nur dazu, den Teilnehmer gegenüber dem Mobilfunknetz zu identifizieren. Sie kann dem Telefon auch bestimmte Anfragen senden, die in den Standards der Telefonie vorgesehen sind. Die Forscher Tomasz Piotr Lisowski, Kristian Covic und Marius Muench haben eine dieser Funktionen untersucht, die „RUN AT“ genannt wird.

Illustrationsbild Pixabay

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Diese Funktion ermöglicht es der SIM-Karte, das Gerät aufzufordern, einen sogenannten AT-Befehl auszuführen. Diese Anweisungen gibt es schon seit Langem, um modembezogene Funktionen zu steuern. Das Problem entsteht, wenn ein Telefon Befehle von der SIM-Karte ohne ausreichende Schutzmaßnahmen akzeptiert. Eine schädliche Karte erhält dadurch einen Zugang zu sensiblen Gerätefunktionen.

Das Team entwickelte ein Tool namens CATana, um diesen Mechanismus auf echter Hardware zu testen. Die Forscher untersuchten 26 verschiedene Geräte: 18 Smartphones und 8 vernetzte Geräte, die ein Mobilfunknetz nutzen. Bei neun davon war diese Schnittstelle von der SIM-Karte aus zugänglich. Diese Beobachtung führte zur Entdeckung von vier Sicherheitslücken.

Die Folgen hängen vom betroffenen Gerät ab. In ihren Demonstrationen konnten die Forscher unter anderem Befehle ausführen und Dateien ohne Berechtigung lesen. Außerdem konnten sie eine Verbindung dazu zwingen, das alte 2G-Netz zu verwenden. Die Rückkehr zu einer älteren Technologie kann die für die mobile Kommunikation verfügbaren Schutzmaßnahmen verringern.

Ein weiterer Angriff konnte einen Denial-of-Service-Angriff auslösen, also das Gerät un verfügbar machen. Mit anderen Worten: Das Problem betrifft nicht nur die auf dem Telefon gespeicherten Inhalte. Eine unauffällige Funktion der SIM-Karte kann auch beeinflussen, wie das Gerät kommuniziert oder funktioniert.

Das Szenario setzt jedoch eine SIM-Karte voraus, die diese schädlichen Anweisungen senden kann, oder ein gleichwertiges Gerät, das sich in ihrem Kommunikationsweg befindet. Das bedeutet also nicht, dass eine gewöhnliche SIM-Karte spontan die Kontrolle über ein Smartphone übernehmen kann. Die Studie zeigt vor allem das Risiko auf, das entsteht, wenn ein Gerät eine leistungsfähige Schnittstelle beibehält, deren legitimer Einsatz begrenzt ist.

Die Autoren empfehlen, den Schutz dieser Schnittstelle zu verstärken oder sie zu deaktivieren, wenn sie nicht benötigt wird. Ihre Arbeit wurde auf der 20. USENIX-WOOT-Konferenz zu offensiven Technologien vorgestellt. Künftige Analysen könnten insbesondere klären, wie viele weitere Telefone und Mobilfunkgeräte diese Möglichkeit noch bieten.

RO
Robin

SIM-Karten, eSIM, NFC, Bankkarten, deine Brille, deine Uhr, dein Geldbeutel oder dein Leben!

LE
lexpert

Das Beruhigende ist, dass eine vorbereitete SIM-Karte für den Angriff benötigt wird. Aber ich frage mich, wie viele heute noch verkaufte Telefone diese Befehle tatsächlich akzeptieren.

MI
mimipartie

Das erinnert mich an eine alte SIM-Karte, die mein Telefon nach einem Neustart manchmal verweigerte – Piep – und ich gezwungen war, sie herauszunehmen und wieder einzulegen. Sicher nichts mit Hacking zu tun, aber seitdem dachte ich immer, eine SIM sei nur eine Art Schlüssel für das Netzwerk.

GI
GigiZ

Ich wäre neugierig zu erfahren, ob eSIMs die gleiche Schnittstelle freigeben können oder ob dieses Szenario vor allem die physischen Karten betrifft, die man austauschen kann.

TS
Tsetse

Ehrlich gesagt ist das Beunruhigendste vor allem, dass solche mächtigen Befehle von einigen Telefonen immer noch akzeptiert werden. Wir behalten alte Dinge jahrelang und danach tauchen sie plötzlich als Sicherheitslücke auf...