Und hier ist ein mechanisches Qubit! đŸ–„ïž

Die Physiker der ETH ZĂŒrich haben einen neuen Weg im Bereich der Quanteninformatik eröffnet, dank einer unerwarteten Innovation. Ein GerĂ€t, das Quantenbits mit einem mechanischen Oszillator verbindet, wurde entwickelt und stellt die traditionellen EinschrĂ€nkungen der sogenannten virtuellen Qubits in Frage. Dieser Fortschritt bildet die Grundlage fĂŒr eine stabilere und vielversprechendere Quantenarchitektur.

Das GerĂ€t besteht aus einem Saphirchip mit einem supraleitenden Qubit, das ĂŒber einem weiteren Qubit positioniert ist, das als mechanischer Oszillator fungiert.

Das GerĂ€t besteht aus einem Saphirchip mit einem supraleitenden Qubit, das ĂŒber einem weiteren Qubit positioniert ist, das als mechanischer Oszillator fungiert.
Credit: Uwe Von Luepke/ETH ZĂŒrich

Der Durchbruch basiert auf einer wohlĂŒberlegten Struktur. Das GerĂ€t kombiniert zwei verschiedene Elemente: ein supraleitendes Qubit und einen mechanischen Resonator, die beide auf Saphirchips montiert sind. Der mechanische Resonator fungiert als piezoelektrische Scheibe, die die Schwingungen durch ihre physische Robustheit stabilisiert – ein entscheidender Punkt angesichts der InstabilitĂ€t klassischer Qubits.

Ein Qubit zeichnet sich durch die FĂ€higkeit aus, in mehreren ZustĂ€nden gleichzeitig zu existieren. In dieser Studie haben die Forscher eine Membran entwickelt, die einer Trommelhaut Ă€hnelt. Diese Membran kann Informationen in drei ZustĂ€nden speichern: einem stationĂ€ren Zustand, einem vibrierenden Zustand oder einer Überlagerung beider. Diese Anordnung ermöglicht eine langlebigere Speicherung der Informationen.

Traditionelle Qubits, die oft auf elektromagnetischen Feldern basieren, sind sehr kurzlebig und zerfallen innerhalb eines Sekundenbruchteils. Dieses neue mechanische Qubit ĂŒberwindet diese EinschrĂ€nkung, indem es deutlich lĂ€ngere KohĂ€renzzeiten bietet. Dies wurde durch ein sorgfĂ€ltig ausgewĂ€hltes supraleitendes Material und eine innovative Fertigungstechnik erreicht.

Bei Tests zeigten die Leistungen dieses mechanischen Qubits bessere Ergebnisse als hybride oder virtuelle Qubits. Die Forscher weisen darauf hin, dass die KohĂ€renzzeiten stark von den verwendeten Materialien abhĂ€ngen, ein Parameter, den sie in zukĂŒnftigen Studien weiter verbessern möchten.

Illustration der resonanten Wechselwirkungsmessungen und der damit verbundenen SchwingungszustÀnde.

Illustration der resonanten Wechselwirkungsmessungen und der damit verbundenen SchwingungszustÀnde.
Credit: Science (2024). DOI: 10.1126/science.adr2464

Diese Forschung eröffnet auch Perspektiven im Bereich des funktionalen Quantencomputings. Das Team plant, ihre Qubits mit Quantenlogikgattern zu testen, um deren Effizienz in komplexen Architekturen zu bewerten. Ein besseres VerstÀndnis der Wechselwirkungen zwischen diesen Komponenten könnte die Entwicklung funktionsfÀhiger Quantencomputer beschleunigen.

Dieser Ansatz stellt sowohl auf theoretischer als auch technologischer Ebene einen wichtigen Fortschritt dar. GerĂ€te, die mechanische Eigenschaften nutzen, könnten bald ihre virtuellen GegenstĂŒcke ĂŒbertreffen und den Weg zu zuverlĂ€ssigeren und leistungsfĂ€higeren Quantencomputern ebnen.

Was ist ein Qubit?

Ein Qubit oder Quantenspeicherbit ist die Grundeinheit der Information in einem Quantencomputer. Im Gegensatz zu einem klassischen Bit, das entweder den Wert 0 oder 1 annehmen kann, kann ein Qubit in einer Überlagerung beider ZustĂ€nde gleichzeitig existieren.

Diese Überlagerung ist dank der Prinzipien der Quantenmechanik, insbesondere des Superpositionsprinzips, möglich. Dadurch können Qubits wesentlich mehr Informationen verarbeiten und speichern als klassische Bits.

Qubits werden in der Regel aus subatomaren Teilchen wie Elektronen oder Photonen hergestellt oder durch kĂŒnstliche Systeme wie supraleitende Schaltkreise realisiert.

Durch die Kombination mehrerer Qubits können Quantencomputer komplexe Probleme viel schneller lösen als traditionelle Computer und neue Perspektiven in den Bereichen Kryptographie, Chemie und kĂŒnstliche Intelligenz eröffnen.