Eine weiche Linse mit einem Durchmesser von 12,5 mm kann ihre Fokussierung durch elektrischen Strom verĂ€ndern â ganz ohne Motor oder bewegliche mechanische Teile.
Der Prototyp basiert auf einer transparenten Silikonlinse, die an einer sehr dĂŒnnen und dehnbaren Membran befestigt ist. Diese Membran trĂ€gt Elektroden, die einen Teil des Lichts durchlassen. Wird eine elektrische Spannung angelegt, dehnt sie sich in alle Richtungen aus. Die darauf befestigte Linse wird dadurch leicht abgeflacht, was verĂ€ndert, wie sie das Licht bĂŒndelt.

Um den Nutzen der Vorrichtung zu verstehen, genĂŒgt ein Blick auf das Objektiv einer Kamera. FĂŒr die Fokussierung mĂŒssen Linsen normalerweise verschoben werden, um ein scharfes Bild zu erhalten. Hier bewegt sich kein optisches Element vor oder zurĂŒck. Stattdessen verĂ€ndert sich direkt die Form der Linse â durch die Verformung der dahinterliegenden flexiblen TrĂ€germembran.
Die Herausforderung bestand darin, Elektroden herzustellen, die zugleich leitfĂ€hig, dehnbar und ausreichend transparent sind. Die Forschenden verwendeten reduziertes Graphenoxid, ein kohlenstoffbasiertes Material, das dem Graphen nahesteht. Sie verteilten es in einer FlĂŒssigkeit und sprĂŒhten es anschlieĂend wie eine Tinte auf die Membran. Die entstehenden Schichten bleiben flexibel und leiten den fĂŒr die Verformung erforderlichen Strom.
Diese Methode erfordert jedoch einen Kompromiss. Eine dichtere Schicht leitet den Strom besser und begĂŒnstigt die Dehnung, absorbiert aber mehr Licht. Die Versuche zeigen daher, dass eine höhere Dichte die mechanische Reaktion verbessert, jedoch auf Kosten der Transparenz. Das Team wĂ€hlte deshalb eine mittlere Materialmenge fĂŒr den Bau der Demonstrationslinse.
Die Wahl des reduzierten Graphenoxids hĂ€ngt auch mit den Fertigungsbedingungen zusammen. Hochwertiges Graphen erfordert hĂ€ufig Hochtemperaturverfahren, die fĂŒr flexible Kunststoffe schlecht geeignet sind. Das hier verwendete Material kann dagegen als Tinte vorbereitet und anschlieĂend aufgesprĂŒht werden. Dieser Ansatz erleichtert die direkte Herstellung von Elektroden auf einer verformbaren Membran.
Die Forschenden sehen mögliche Anwendungen dieses Prinzips in kompakten optischen Systemen, insbesondere in adaptiven Brillen, kleinen Kameras oder bestimmten medizinischen GerĂ€ten. Zuvor wollen sie die Elektroden gleichmĂ€Ăiger machen, damit mehr Licht hindurchtreten kann. Die derzeitige Transparenz wird nĂ€mlich weiterhin durch die unebene OberflĂ€che der aufgesprĂŒhten Schichten begrenzt.