🧱 Diese Ziegelwände lassen sich abbauen und anderswo wiederaufbauen

Österreichische Forschende haben ein Gebäude errichtet, dessen Ziegelwände abgebaut, transportiert und anschließend wieder aufgebaut werden können, ohne zerstört zu werden.

Das Prinzip richtet sich insbesondere an Gebäude, die nur 10 bis 20 Jahre genutzt werden, etwa bestimmte Supermärkte oder Gewerberäume. Ihre Ziegel könnten noch lange nach dem Abriss des Gebäudes verwendbar bleiben. Heute erschwert der Mörtel, der Ziegel traditionell miteinander verbindet, häufig ihre Bergung, ohne sie zu beschädigen.

Das Versuchsgebäude bei seiner ersten Errichtung mit den wiederverwendbaren Ziegelwänden.

Das Versuchsgebäude bei seiner ersten Errichtung mit den wiederverwendbaren Ziegelwänden.
Quelle: IBPSC – TU Graz, über New Atlas

Um diesen Verlust zu vermeiden, arbeitete das Team der Technischen Universität Graz mit dem Hersteller Wienerberger zusammen. Es entwickelte werkseitig vorgefertigte Wandelemente, die mit lösbaren Verbindungen zusammengesetzt werden. Dadurch lassen sich die Wände nahezu vollständig demontieren und anschließend in einem anderen Bauwerk wiederverwenden.

Diese Möglichkeit darf nicht zulasten der Gebäudeeigenschaften gehen. Daher entwarfen die Forschenden 44 cm dicke Wände mit einer in die Ziegel integrierten Dämmung. Die Elemente werden außerdem bereits im Werk verputzt geliefert. Ihre Stabilität kann durch das Gewicht des Dachs oder durch vertikale Stäbe gewährleistet werden, die durch die Ziegel hindurch gespannt werden.

Konkret errichtete das Team ein kleines Demonstrationsgebäude, um das System unter realistischen Bedingungen zu überprüfen. Anschließend wurde es abgebaut und an einem anderen Ort wiederaufgebaut. Nach diesem Vorgang waren die Wände weiterhin in gutem Zustand und das Gebäude blieb vollständig funktionsfähig. Die Verbindungen bestanden zudem die vorgesehenen Prüfungen, unter anderem hinsichtlich Dichtheit, Wärmedämmung und Stabilität.

Ein Team baut das Versuchsgebäude nach seiner vollständigen Demontage wieder auf.

Ein Team baut das Versuchsgebäude nach seiner vollständigen Demontage wieder auf.
Quelle: IBPSC – TU Graz, über New Atlas

Das Gebäude nach seinem Wiederaufbau: Die Wände sind in gutem Zustand geblieben.

Das Gebäude nach seinem Wiederaufbau: Die Wände sind in gutem Zustand geblieben.
Quelle: IBPSC – TU Graz, über New Atlas

Der ökologische Nutzen ergibt sich vor allem daraus, dass die Herstellung neuer Ziegel Ressourcen und Energie verbraucht. Die direkte Wiederverwendung einer Wand vermeidet daher einen Teil dieser erneuten Produktion. Nach den Berechnungen des Teams würden drei Nutzungszyklen die CO₂-Emissionen im Vergleich zu einem vergleichbaren konventionellen Bau um etwa 60 % senken. Diese Schätzung bezieht sich ausdrücklich auf mehrere aufeinanderfolgende Nutzungen derselben Elemente.

Offen bleibt, wie diese Wände nach ein oder zwei Jahrzehnten tatsächlich altern werden. Die Forschenden wollen ihren Zustand mithilfe von Schwingungen überwachen. Jede Wand besitzt Frequenzen, bei denen sie auf natürliche Weise schwingt. Eine Veränderung dieser Frequenzen im Laufe der Jahre kann auf eine Veränderung ihrer Fähigkeit hinweisen, Lasten zu tragen, ohne sie für die Prüfung beschädigen zu müssen.

Bei dem Projekt geht es daher nicht nur darum, Ziegel nach einem Abriss zurückzugewinnen. Ziel ist es, vorgefertigte Wandabschnitte lange genug zu erhalten, damit sie in mehreren aufeinanderfolgenden Gebäuden eingesetzt werden können. Dieser Ansatz könnte den Elementen auch dann einen wirtschaftlichen Wert erhalten, wenn das erste Gebäude das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht.

Das System hat nun die Phase des Demonstrationsgebäudes abgeschlossen, doch sein Verhalten nach 10 oder 20 Jahren muss noch bestätigt werden. Diese Beobachtung soll klären, ob tatsächlich gealterte Wände mit denselben Funktionsgarantien abgebaut, geprüft und anschließend erneut eingesetzt werden können.