đȘ Der Kopfgendiebstahl: die Strategie des Grippevirus
Veröffentlicht von Adrien, Quelle: CNRS INSB Andere Sprachen: FR, EN, ES, PT
Ein mikroskopischer Trick wird vom Grippevirus angewendet: eine unauffÀllige Strategie, die es ihm ermöglicht, die Zellen, die er infiziert, zu tÀuschen.
Um seine eigenen MolekĂŒle herzustellen, ohne entdeckt zu werden, stiehlt der Virus ein Schutzelement, das zu den RNAs der Zelle gehört. Arbeiten, die in der Zeitschrift Nature beschrieben werden, erlĂ€utern endlich diesen molekularen Raubzug.
Grippeviren besitzen ein Genom aus RNA, einem MolekĂŒl, das der DNA Ă€hnelt und unter anderem als Bauplan fĂŒr die Produktion von Proteinen dient. Wenn ein Virus in eine Zelle eindringt, kann es sich nicht allein vermehren. Es kapert daher die Werkzeuge der Zelle, um seine eigenen Kopien herzustellen.
Doch fĂŒr das Virus stellt sich ein Problem. Zellen können verdĂ€chtige RNAs erkennen und lösen dann eine antivirale Reaktion aus. Um diesen Alarm zu vermeiden, nutzen Grippeviren eine List: sie beschaffen sich ein kleines schĂŒtzendes "Etikett", das auf einigen zellulĂ€ren RNAs vorhanden ist.
Dieses Etikett, genannt "Kappe", befindet sich am Anfang der Boten-RNAs, die von der Zelle produziert werden. Es wirkt ein wenig wie ein Identifikationsausweis. Dank ihr ist die RNA stabil, kann zur Herstellung von Proteinen genutzt werden und wird als zur Zelle gehörend erkannt.
Ohne diese Kappe wird eine RNA schnell als fremd angesehen. Die Zelle kann dann Abwehrmechanismen aktivieren, um die Infektion zu blockieren. Viele Viren besitzen ihre eigenen Werkzeuge, um diese Kappe herzustellen. Die Grippeviren hingegen haben eine andere Lösung gewÀhlt: sie stehlen sie.
Ihr Hauptenzym, genannt virale Polymerase oder FluPol, nÀhert sich der zellulÀren Maschinerie, die RNAs herstellt, der RNA-Polymerase II. Forscher wussten, dass diese beiden Maschinen interagieren, aber der genaue Ablauf des Raubzugs blieb unklar.
Um diesen Mechanismus zu verstehen, haben mehrere wissenschaftliche Teams das PhĂ€nomen im Labor nachgestellt. AnschlieĂend beobachteten sie die beteiligten Proteine mithilfe der Kryo-Elektronenmikroskopie, einer Technik, die molekulare Strukturen mit sehr hoher PrĂ€zision sichtbar machen kann.
Die Beobachtungen zeigen, dass das Virus in drei Schritten vorgeht. Zuerst bindet sich seine Polymerase in der NÀhe der zellulÀren Maschinerie zu dem Zeitpunkt, an dem eine neue RNA gerade hergestellt wurde und ihre Kappe eben erhalten hat.
Dann schneidet das virale Enzym diese RNA ganz nahe an dieser Kappe. Das Virus erhĂ€lt dann ein sehr kurzes RNA-Fragment, das bereits das schĂŒtzende Etikett trĂ€gt. Dieses kleine StĂŒck wird anschlieĂend als Startpunkt verwendet, um eine virale RNA herzustellen. Ergebnis: Die vom Virus produzierte RNA besitzt ebenfalls eine Kappe und Ă€hnelt stark einer normalen RNA der Zelle. Die Zelle hat daher gröĂere Schwierigkeiten, sie zu erkennen.
Die Forscher identifizierten auch die Bedeutung eines zellulÀren Faktors namens DSIF, der an der Bildung des Komplexes beteiligt ist, an den die virale Polymerase andockt. Experimente zeigen, dass wenn der Kontakt zwischen der viralen Polymerase und den zellulÀren Proteinen gestört wird, die Produktion viraler RNA stark abnimmt.
Dies deutet auf einen interessanten Ansatz fĂŒr zukĂŒnftige Medikamente hin. Das Blockieren dieser Interaktion könnte verhindern, dass das Virus die Kappe zellulĂ€rer RNAs stiehlt und so die Infektion verlangsamen.
Modell, das den "Kappendiebstahl" durch die Polymerase der Grippeviren (FluPol) veranschaulicht.
WĂ€hrend der Herstellung einer RNA durch die zellulĂ€re Polymerase (Pol II) wird eine schĂŒtzende Kappe an ihrem Ende hinzugefĂŒgt. Die virale Polymerase bindet dann an den zellulĂ€ren Komplex und schneidet die RNA nahe dieser Kappe. Das Virus erhĂ€lt dieses kurze, gekappte Fragment und nutzt es als Startpunkt, um eine virale RNA herzustellen, die ebenfalls eine Kappe besitzt.