Die Lavaröhren auf dem Mars übersteigen die Vorstellungskraft. Mit einer Breite von über 250 Metern sind sie achtmal größer als die auf der Erde. Was von diesem Netzwerk bekannt ist, erstreckt sich über mehr als 1.200 Kilometer. Diese Zahlen vermitteln eine Vorstellung vom Ausmaß dieser unterirdischen Welt.
Die derzeitigen Rover wie Curiosity oder Perseverance können diese Hohlräume nicht betreten, um sie zu erforschen.
Mostafa Hassanalian, Forscher in New Mexico, wandte sich der Natur zu, um eine Lösung zu finden. Seine „Löwenzahn“-Drohnen sind von den vom Wind verwehten Samen inspiriert. Im vorgestellten Szenario transportiert und setzt ein käferartiger Roboter namens „Roly-Poly“ sie in den Höhlen frei.
Einmal freigesetzt, verteilen sich diese Tausenden von Mikro-Drohnen durch die Luftströmungen. Sie sammeln Daten über Feuchtigkeit, Temperatur und Topografie. Für die Fortbewegung verlassen sie sich auf den natürlichen Wind, aber bei Bedarf kann ein Propeller einspringen.
Da in den Höhlen kein Licht herrscht, sind Sonnenkollektoren nutzlos. Die Löwenzahn-Drohnen sind mit einem flexiblen Polymer ausgestattet, das durch Vibrationen beim Flug oder Windböen Strom erzeugt. Diese schwache Energie reicht aus, um die Sensoren und den Funk-Sender zu versorgen. Der Vorteil liegt in der Einfachheit und Zuverlässigkeit ohne komplexe bewegliche Teile. Allerdings ist die erzeugte Leistung begrenzt, was die Funktionalität der Drohne einschränkt. Die Forscher optimieren das Material ständig, um die Effizienz zu verbessern.
Vorgeschlagenes Konzept zur Verteilung von Löwenzahnsamen bei der Erkundung von Lavatunneln. Bildnachweis: New Mexico Tech
Auch andere Teams arbeiten an der Erkundung dieser Tunnel. Europäische Wissenschaftler haben Roboter in den Vulkanhöhlen von Lanzarote getestet. Die NASA wiederum interessiert sich besonders für den Vulkan Arsia Mons, wo „Oberlichter“ den Zugang zu riesigen Hohlräumen offenbaren.
Diese Lavaröhren könnten eines Tages als Lebensraum für Menschen dienen, geschützt vor Strahlung und Temperaturschwankungen. Vor der Ankunft der ersten Astronauten, die für die 2030er Jahre geplant ist, könnten die Löwenzahn-Drohnen die Ersten sein, die diese unterirdische Welt kartieren.
Konzept des „Roly-Poly“-Roboters, der fliegende Mikrosensoren freisetzt. Bildnachweis: New Mexico Tech