Die Ă€uĂersten Ringe des Uranus bieten ein erstaunliches Schauspiel: Einer leuchtet eisblau, der andere staubrot. Diese Farbtöne verraten deutlich unterschiedliche Zusammensetzungen: auf der einen Seite Wassereis, auf der anderen kohlenstoffhaltiger Staub.
Im Gegensatz zu den berĂŒhmten Ringen des Saturn sind die des Uranus unscheinbar und wurden 1977 zufĂ€llig bei einer Sternbedeckung entdeckt. Die beiden Ă€uĂersten, mit den Namen Mu und Nu, wurden zwischen 2003 und 2005 vom Team um Mark Showalter aufgespĂŒrt. Ihre farbliche DualitĂ€t gibt Astronomen seitdem RĂ€tsel auf.
Ein Bild des Uranus, aufgenommen mit der NIRCam-Kamera des James-Webb-Weltraumteleskops (NASA/ESA/CSA), zeigt den Planeten und seine Ringe. Bildnachweis: NASA, ESA, CSA, STScI
Neue Infrarotdaten des James-Webb-Teleskops ermöglichten das erste vollstĂ€ndige Spektrum der Mu- und Nu-Ringe. Imke de Pater von der University of California in Berkeley leitete die Studie. Ihrer Ansicht nach kann man durch die Analyse des von diesen Ringen zurĂŒckgeworfenen Lichts die GröĂe der Partikel und ihre Zusammensetzung bestimmen. Diese Informationen helfen, die Entstehung des Uranus-Systems zu verstehen. Die Ergebnisse bestĂ€tigen die bereits beobachteten blauen und roten Farbtöne.
Der Mu-Ring zeichnet sich durch seine blaue Farbe aus, ein Zeichen fĂŒr eine Zusammensetzung aus Wassereis. Diese Eigenschaft erinnert an den E-Ring des Saturn, der von den Geysiren des Mondes Enceladus gespeist wird. Bei Uranus stammen die Eispartikel von Mab, einem kleinen Mond mit nur 12 Kilometern Durchmesser, der 2003 von Mark Showalter entdeckt wurde. Aber warum besteht Mab hauptsĂ€chlich aus Eis, wĂ€hrend die anderen kleinen inneren Monde felsig sind? Diese Frage bleibt vorerst unbeantwortet.
Der Nu-Ring hingegen weist eine rote FĂ€rbung auf, die auf einen hohen Anteil an kohlenstoffhaltigem Staub zurĂŒckzufĂŒhren ist. Sein Spektrum zeigt 10 bis 15 % organische Verbindungen, typisch fĂŒr kalte Umgebungen des Sonnensystems. Diese Partikel stammen vermutlich von EinschlĂ€gen von Mikrometeoriten auf noch unbekannte Monde, die zwischen den bekannten Satelliten liegen. Imke de Pater fragt sich, worin der Unterschied in der Zusammensetzung der Mutterkörper der beiden Ringe besteht. ZukĂŒnftige Beobachtungen sollten hier Klarheit schaffen.
Die inneren Monde des Uranus, einschlieĂlich Mab (oben). Bildnachweis: NASA/ESA/CSA/STScI/M. El Moutamid (SWRI)/M. Hedman (University of Idaho)
Weitere Hinweise verblĂŒffen die Astronomen: Der Mu-Ring zeigt Helligkeitsschwankungen. Dieses PhĂ€nomen könnte auf noch ungeklĂ€rte Prozesse hindeuten. Mark Showalter ist der Ansicht, dass nur Nahaufnahmen einer zukĂŒnftigen Raumsonde ermöglichen werden, diese Ringe und ihre Monde zu verstehen.
Die Erforschung des Uranus wurde im Zehnjahresplan der National Academy of Sciences zur PrioritĂ€t erklĂ€rt. Die Ergebnisse der aktuellen Studie, veröffentlicht im Journal of Geophysical Research: Planets, bereiten den Boden fĂŒr diese zukĂŒnftige Erkundung.