Seit mehr als zehn Jahren beobachten Astronomen ein rätselhaftes Gamma-Leuchten aus dem Herzen unserer Milchstraße. Bekannt als der galaktische Zentrumsüberschuss, erstreckt es sich über Tausende von Lichtjahren und spaltet die wissenschaftliche Gemeinschaft. Zwei Theorien stehen sich gegenüber: Pulsare (schnell rotierende Neutronensterne) oder die Annihilation von Teilchen der Dunklen Materie. Eine neue Studie entfacht die Debatte neu: Die Dunkle Materie ist noch nicht ausgeschlossen.
Um dieses Leuchten zu verstehen, muss man wissen, dass die Dunkle Materie 85 % der Materie des Universums ausmacht. Unsichtbar, interagiert sie weder mit Licht noch mit gewöhnlicher Materie. Einige Modelle schlagen vor, dass ihre Teilchen ihre eigenen Antiteilchen sind: Wenn zwei davon aufeinandertreffen, vernichten sie sich und erzeugen Gammastrahlen. Dieses Phänomen würde nur in sehr dichten Regionen auftreten, wie im Zentrum von Galaxien.
Das Forschungsteam unter der Leitung von Florian List von der Universität Wien nutzte maschinelles Lernen, um über eine Million Simulationen von Gamma-Beobachtungen zu analysieren. Frühere Ergebnisse sprachen eher für punktförmige Quellen wie Pulsare. Diese neue Analyse deutet jedoch darauf hin, dass diese Quellen weitaus schwächer wären als bisher angenommen, was ihre Unterscheidung von der Annihilation Dunkler Materie erschwert.
In der Praxis, während frühere Studien darauf hindeuteten, dass einige hundert Pulsare ausreichen, um den Gamma-Überschuss zu erzeugen, zeigen die neuen Ergebnisse, dass mehr als 35.000 erforderlich wären. Diese Pulsare wären so wenig leuchtstark, dass sie fast der erwarteten Signatur der Dunklen Materie ähneln würden. Nick Rodd vom Lawrence Berkeley National Laboratory merkte an, dass diese Quellen nahezu ununterscheidbar werden.
Trotz dieser Fortschritte erinnern die Forscher daran, dass ihre Arbeit nicht beweist, dass die Dunkle Materie die Ursache ist. Sie zeigt lediglich, dass es noch zu früh ist, diese Hypothese zu verwerfen. Der Ursprung dieses Gamma-Überschusses bleibt eine der am meisten diskutierten Fragen der Astrophysik, wie Florian List betonte.
Die Studie wurde in der Zeitschrift
Physical Review Letters veröffentlicht. Für die Wissenschaftler geht die Suche weiter, und neue Beobachtungen, insbesondere mit dem James-Webb-Weltraumteleskop, könnten zusätzliche Erkenntnisse liefern. In der Zwischenzeit bleibt die Dunkle Materie ein glaubwürdiger Kandidat zur Erklärung dieses rätselhaften Leuchtens im Zentrum unserer Galaxie.
Was ist Dunkle Materie?
Dunkle Materie ist eine Form von Materie, die kein Licht emittiert, absorbiert oder reflektiert, was sie für Teleskope unsichtbar macht. Sie interagiert mit gewöhnlicher Materie nur durch die Schwerkraft. Schätzungen zufolge macht sie etwa 85 % der gesamten Materie im Universum aus.
Ihre Anwesenheit wird aus den Gravitationseffekten auf Galaxien und Galaxienhaufen abgeleitet. Beispielsweise rotieren Sterne an den Rändern von Galaxien schneller, als es allein durch die sichtbare Materie möglich wäre, was auf eine zusätzliche unsichtbare Masse hindeutet.
Mehrere Kandidaten existieren für Dunkle Materie, wie WIMPs (schwach wechselwirkende massereiche Teilchen) oder Axionen. Keines wurde bisher direkt nachgewiesen, aber die Forschung wird fortgesetzt, insbesondere in unterirdischen Detektoren und am LHC.
Wie werden Gammastrahlen erzeugt?
Gammastrahlen sind die energiereichste Form von Licht im elektromagnetischen Spektrum. Sie werden bei gewalttätigen Phänomenen wie Supernova-Explosionen, Pulsaren oder der Annihilation von Materie und Antimaterie erzeugt.
Im Fall des galaktischen Zentrumsüberschusses werden zwei mögliche Quellen in Betracht gezogen: Pulsare, die schnell rotierende Neutronensterne sind und Gammastrahlen aussenden, oder Teilchen der Dunklen Materie, die sich gegenseitig vernichten.
Der Nachweis dieser Gammastrahlen ist schwierig, da die Erdatmosphäre sie blockiert. Weltraumteleskope wie Fermi-LAT oder bodengestützte Observatorien wie H.E.S.S. sind notwendig, um sie zu beobachten. Das galaktische Zentrum ist eine sehr helle und schwer zu analysierende Region, was die Analyse heikel macht.