Vor etwa fünf Millionen Jahren drangen Haifischzähne buchstäblich in die Knochen von Walknochen in den Gewässern der Nordsee ein. Diese einzigartige Entdeckung bietet heute einen direkten und beispiellosen Einblick in prähistorische Ernährungsgewohnheiten.
Diese versteinerten Schädel stammen aus Belgien, einer gehörte einem ausgestorbenen kleinen Glattwal und der andere einem Verwandten der heutigen Weißwale. Ihre Entdeckung durch Amateure und Wissenschaftler vor mehreren Jahrzehnten offenbarte ihre volle Bedeutung erst mit den jüngsten technologischen Fortschritten.
Eine gemalte Rekonstruktion eines Grauhais, der sich an einem Kadaver eines ausgestorbenen Glattwals während des frühen Pliozäns in der südlichen Nordsee ernährt. Eine Gruppe von Walen, die mit Weißwalen verwandt sind, schwimmt im Hintergrund. Bildnachweis: Alexander Lovegrove
Die Untersuchung der Fossilien wurde mittels tomografischer Scans durchgeführt, einer nicht-invasiven Technologie, die es ermöglicht, das Innere der Knochen sichtbar zu machen, ohne sie zu beschädigen. Diese Bilder enthüllten tief eingebettete Fragmente von Haifischzähnen, was darauf hindeutet, dass die Bisse nach dem Tod der Wale erfolgten, wahrscheinlich bei Aasfress-Ereignissen. Diese Methode ermöglichte eine genaue Bestimmung der beteiligten Räuber.
Die identifizierten Zähne gehörten zu Arten wie dem Grauhai und einem nahen Vorfahren des Weißen Hais, Tiere, die heute nicht mehr die südliche Nordsee besiedeln. Ihre Angriffe konzentrierten sich auf fettreiche Bereiche wie den Melonenkopf der Wale.
Im Pliozän beherbergte die Nordsee Arten wie große Haie und Wale und bildete ein strukturiertes Nahrungsnetz. Die Fossilien mit ihren Bissspuren dokumentieren diese Beziehungen und zeigen beispielsweise, wie Räuber bestimmte Bereiche der Kadaver gezielt angriffen.
Fotos zeigen Haibisse auf einem teilweisen Schädel eines ausgestorbenen Glattwals mit rot markierten Spuren und auf einem Schädel eines Monodontiden, die den fetthaltigen Melonenkopf zum Ziel haben. Vergleiche mit modernen Schädeln sind enthalten. Bildnachweis: Fotos und Illustrationen von Olivier Lambert (RBINS)
Diese Funde erweitern unser Wissen über die marinen Gemeinschaften des Pliozäns, einer Zeit, in der große Räuber und Wale die Region teilten. Die Wissenschaftler weisen auch darauf hin, dass die derzeitigen klimatischen Veränderungen die künftige Verteilung mariner Arten beeinflussen könnten, mit einer möglichen Rückkehr von Räubern wie Weißen Haien in diese Gewässer.
Mit der aktuellen globalen Erwärmung verändert sich die Verbreitung mariner Arten, was die Räuber-Beute-Beziehungen verändern könnte. Wenn beispielsweise die Robbenpopulationen in der Nordsee zunehmen würden, könnten dies große Räuber wie Weiße Haie anziehen und die derzeitigen Gleichgewichte stören. Die Lehren aus der Vergangenheit bieten somit einen Rahmen, um diese zukünftigen Veränderungen zu betrachten.