Astronomen versuchen seit Langem, den Zeitpunkt der Entstehung der Scheibe der Milchstraße zu bestimmen. Ein wichtiger Hinweis liegt in den Bewegungen und dem Alter der Sterne: Irgendwann in der Frühgeschichte der Galaxie begannen sich die Sterne in einer kohärenten Rotationsbewegung zu bewegen – ein Zeitpunkt, den Wissenschaftler als „anfängliche Rotationsphase“ der Galaxie bezeichnen.
Allerdings entstand die Milchstraße nicht isoliert. Seit Jahrzehnten vermuten Wissenschaftler, dass eine heftige Kollision mit einer kleineren Galaxie eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Milchstraße, wie wir sie heute kennen, gespielt hat.
Diese Hypothese wurde 2018 bestätigt, als Daten der Gaia-Mission eine große Population von Sternen mit ungewöhnlichen Bewegungen offenbarten, die nur durch eine massive Verschmelzung vor etwa 10 Milliarden Jahren erklärt werden konnten.
Dieses Ereignis ist heute als Gaia-Wurst-Enceladus-Verschmelzung (GSE) bekannt.
Basierend auf Erkenntnissen aus Simulationen schließen die Autoren, dass diese Verschmelzung wahrscheinlich vor etwa 11 Milliarden Jahren stattfand – also früher als viele frühere Schätzungen –, ein Zeitraum, der mit einem starken Anstieg der Sternhaufenbildung in der Milchstraße zusammenfällt. Dies löste vermutlich ein wahres galaktisches Feuerwerk aus, das die Sternentstehung anregte und die Bildung von Kugelsternhaufen förderte.
Die Ergebnisse dieser Studie beleuchten den grundlegenden Zusammenhang zwischen der galaktischen Struktur und alten Kollisionen – zwei Phänomene, die gemeinsam betrachtet werden müssen, um die Geschichte unserer Galaxie zu verstehen. Die Wissenschaftler hoffen, dass die neuen Daten des James-Webb-Weltraumteleskops und des ALMA-Netzwerks es ihnen ermöglichen, die Entstehung ähnlicher Galaxien im fernen Universum zu beobachten und die Prozesse besser zu verstehen, die unsere eigene Galaxie geformt haben.
Hier sieht man die Entwicklung einer Galaxie von ihren anfänglichen Bestandteilen bis zur endgültigen Spiralform – ein Bild aus der Auriga-Simulationssuite.
Das Hauptbild zeigt die kombinierte Dichte von Gas und Dunkler Materie, wobei das Gas nach seiner Umgebungstemperatur eingefärbt ist (Blau entspricht kälteren, Rot wärmeren Temperaturen). Die runden Einschübe zeigen die Sterne der Zentralgalaxie, sowohl von vorne als auch von der Seite relativ zum Drehimpuls der Scheibe. Diese Bilder werden durch Kombination der Sternphotometriefilter K, B und U erzeugt.