🍻 Das Selbstbrauer-Syndrom: Wenn unser Körper selbst Alkohol bis zur Trunkenheit herstellt

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: Nature Microbiology
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Kennen Sie dieses seltsame Phänomen, das manche Menschen die Auswirkungen von Trunkenheit spüren lässt, ohne dass sie auch nur das geringste alkoholische Getränk zu sich genommen haben?

Dieser Zustand, der als Selbstbrauer-Syndrom bezeichnet wird, führt dazu, dass Darmmikroorganismen Nahrung in Ethanol umwandeln. Eine jüngste Forschung hat präzisiert, welche Bakterien und welche biologischen Mechanismen beteiligt sind, und bietet neue Ansätze zur Verfeinerung der Diagnose und Behandlung.


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Diese seltene Erkrankung ist nach wie vor weitgehend unbekannt, was oft zu jahrelangen Fehldiagnosen führt. Die Patienten erleben dann Episoden von Alkoholvergiftung in Abwesenheit jeglichen Konsums, mit potenziellen Folgen für ihr Wohlbefinden, ihr Beziehungsleben und manchmal sogar für das Gesetz. Die Komplexität der Tests und eine manchmal unzureichende Ausbildung der Pflegekräfte machen die Erkennung dieser Störung besonders schwierig.

Um die Kenntnisse über dieses Syndrom zu vertiefen, verglich ein Team das Darmmikrobiom von Patienten, ihren nicht betroffenen Partnern und gesunden Teilnehmern. Die Analysen zeigten, dass die Stuhlproben der Patienten in symptomatischen Phasen wesentlich größere Mengen an Ethanol erzeugten. Diese Entdeckung weist auf die Möglichkeit hin, einen einfachen diagnostischen Test auf der Grundlage der Stuhlanalyse zu entwickeln.

Die Arbeit ermöglichte es auch zu beobachten, dass bestimmte Bakterien, insbesondere Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae, eine zentrale Rolle bei dieser internen Alkoholproduktion zu spielen scheinen. Während der Krisenphasen weisen die Patienten auch erhöhte Spiegel von Enzymen auf, die mit Fermentationswegen verbunden sind. Dennoch ist die genaue Identifizierung der verantwortlichen Mikroorganismen bei jedem Einzelnen immer noch ein langwieriges und aufwändiges Verfahren.

Ein klinischer Fall demonstrierte den potenziellen Nutzen der Stuhltransplantation. Nach dieser Behandlung erlebte ein Patient eine anhaltende Verbesserung seiner Symptome, wobei Rückfälle mit Veränderungen seiner Bakterienflora zusammenhingen. Eine zweite Transplantation, gekoppelt mit einer anderen Antibiotika-Vorbehandlung, ermöglichte anschließend eine Remission von mehr als sechzehn Monaten, was den Nutzen verdeutlicht, den dieser Ansatz bringen könnte.

Diese Ergebnisse könnten daher die Diagnose vereinfachen und neue therapeutische Optionen inspirieren.

Der in Nature Microbiology veröffentlichte Artikel ist das Ergebnis der Arbeit von Wissenschaftlern mehrerer Institutionen. Er trägt zu einem besseren Verständnis der Wechselwirkungen zwischen unserer Darmflora und unserem Gesundheitszustand bei und zeigt, wie bestimmte Ungleichgewichte so überraschende Effekte wie eine Ethanolvergiftung ohne Alkoholkonsum hervorrufen können.