🏹 Entdeckung von 60.000 Jahre alten vergifteten Pfeilen

Veröffentlicht von Cédric,
Autor des Artikels: Cédric DEPOND
Quelle: Science Advances und Nature
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Chemische Spuren, die 60.000 Jahre alt sind, auf südafrikanischen Pfeilspitzen bestätigen den Einsatz von Giftwaffen in der Vorgeschichte. Ein internationales Team hat gerade pflanzliche Toxinrückstände auf Quarz-Mikrolithen identifiziert und damit den ältesten direkten Beweis für diese Praxis um mehr als 50.000 Jahre zurückdatiert.


Diese neue Studie vervollständigt ein Bild, das sich in der prähistorischen Archäologie abzeichnet. Vor einigen Jahren hatte die Analyse eines 7.000 Jahre alten Antilopen-Femurs, der in Südafrika entdeckt wurde, den ersten direkten materiellen Beweis für die Verwendung von Gift auf einem Projektil geliefert (siehe unseren Artikel zu diesem Thema). Vor kurzer Zeit hatten Forschungen an etwa 54.000 Jahre alten Pfeilspitzen in Frankreich durch morphometrische Analyse (TCSA-Methode) auf eine mögliche Giftnutzung geschlossen, auch wenn keine chemischen Rückstände überdauert hatten (siehe unseren Artikel zu diesem Thema). Die vorliegende Entdeckung stellt die Verbindung zwischen diesen Hinweisen her, indem sie den unwiderlegbaren chemischen Beweis liefert, dass diese Technik vor 60.000 Jahren im südlichen Afrika bereits voll einsatzfähig war.

Eine unwiderlegbare chemische Identifizierung dank Massenspektrometrie


Das Team um Sven Isaksson unterzog zehn Quarz-Pfeilspitzen aus der 60.000 Jahre alten archäologischen Schicht der Fundstelle Umhlatuzana einer Analyse mittels Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie. Diese Technik ermöglicht es, Moleküle selbst in winzigsten Mengen zu trennen und zu identifizieren. Fünf der Artefakte zeigten das Vorhandensein von zwei spezifischen giftigen Alkaloiden: Buphanidrin und Epibuphanisin.

Diese Verbindungen sind die chemische Signatur von Boophone disticha, einer Zwiebelpflanze aus dem südlichen Afrika, die für ihren hochgiftigen Saft bekannt ist und historisch als Jagdgift verwendet wurde. Die Lokalisierung der Rückstände, die auf dem Teil der Werkzeuge konzentriert sind, der zur Befestigung an einem Schaft bestimmt war, schließt eine zufällige Kontamination aus und bestätigt eine absichtliche Anwendung. Um ihre Ergebnisse zu validieren, analysierten die Forscher historische Pfeilspitzen aus dem 18. Jahrhundert und fanden dort die gleichen Toxine, was die Stabilität dieser Moleküle und die Kontinuität dieser Tradition beweist.


Boophone disticha ist eine leicht erkennbare Pflanze.
Bild Wikimedia


Eine Jagdstrategie, die Vorausplanung und Know-how erfordert


Die Verwendung eines langsam wirkenden Gifts, wie das von Boophone disticha, verändert die Jagdpraxis grundlegend. Das Ziel ist nicht, das Tier sofort zu töten, sondern eine Substanz zu injizieren, die die Beute durch neurologische Störungen und Lähmung allmählich schwächt, sodass die Jäger ihr sicherer folgen und sie etwas später bergen können. Diese Methode reduziert das Risiko einer direkten Konfrontation mit gefährlichen Tieren.

Diese Praxis erfordert fortgeschrittenes kognitives Denken, das auf dem Verständnis einer zeitlich verzögerten Ursache-Wirkungs-Beziehung basiert. Sie setzt umfangreiches empirisches Wissen über die Eigenschaften von Pflanzen, Techniken zur Extraktion und Konservierung des Gifts sowie über das Verhalten vergifteter Tiere voraus. Diese Entdeckung zeigt in Verbindung mit früheren Hinweisen, dass die Beherrschung der Jagd mit Gift keine isolierte Innovation war, sondern eine etablierte Komponente im technischen Repertoire einiger Gruppen des Homo sapiens bereits im Mittelpaläolithikum, was auf eine frühe Fähigkeit hinweist, die Ressourcen ihrer Umwelt zu nutzen.