🛰️ Zum ersten Mal wird ein Raumschiff mehrere Weltraumschrott-Wracks besuchen

Veröffentlicht von Adrien,
Quelle: Astroscale Pressemitteilung
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Es ist nun möglich, stillgelegte Satelliten aus der Nähe zu inspizieren, eine technische Meisterleistung, die den Weg zu einem besseren Verständnis ihrer Ausfälle ebnet. Bisher mussten sich die Betreiber mit Bodenbeobachtungen begnügen, um zu erraten, was passiert war.

So hat das japanische Unternehmen Astroscale eine beispiellose Mission vorgestellt: Das 650 Kilogramm schwere Raumschiff ISSA-J1 soll im Jahr 2027 zwei stillgelegte japanische Satelliten überfliegen. Ziel ist es, detaillierte visuelle Inspektionen durchzuführen, dank Triebwerken und Bildgebungssystemen mit hoher Präzision.


KĂĽnstlerische Darstellung der Inspektionsmission ISSA-J von Astroscale im Erdorbit.
Quelle: Astroscale

Die Ziele sind zwei große Satelliten: ALOS, gestartet 2006, so groß wie ein Bus und 4 Tonnen schwer, der 2011 seine Stromversorgung verlor; und ADEOS-II, gestartet 2002, etwas leichter (3,7 Tonnen), aber in einer höheren Umlaufbahn. Was haben sie gemeinsam? Sie sind im Orbit gestorben, Opfer von Ausfällen, die man aufklären möchte.

Dazu wird das Vorgehen in mehreren Schritten erfolgen: ISSA-J1 nähert sich zunächst ALOS, beginnt mit Beobachtungen aus der Ferne und rückt dann näher heran. Nach Abschluss der Inspektion wechselt es die Umlaufbahn, um ADEOS-II zu erreichen und das gleiche Manöver zu wiederholen. Diese Abfolge demonstriert eine neue Fähigkeit: mehrere Kunden auf verschiedenen Umlaufbahnen in einer einzigen Mission zu besuchen.

Dank dieser Inspektionen erhält man einen wertvollen Einblick in den Zustand der Satelliten, viel präziser als das, was Bodenteleskope liefern können. Zu verstehen, warum ein Raumfahrzeug aufgehört hat zu funktionieren, hilft dabei, in Zukunft robustere Geräte zu entwickeln und mögliche Reparaturen im Orbit vorzubereiten.

Astroscale hört hier nicht auf: Das Unternehmen bereitet auch die Mission ELSA-M vor, einen Demonstrator zur Entfernung von Trümmern, in Partnerschaft mit dem deutschen Trägerraketenhersteller Isar Aerospace. Diese Bemühungen sind Teil eines umfassenderen Programms Japans zur Verbesserung des Verständnisses der Weltraumumgebung und der orbitalen Dienstleistungen.

Weltraumschrott: ein wachsendes Problem


Die Erdumlaufbahn ist voller stillgelegter Satelliten, Raketenstufen und verschiedener Fragmente. Man schätzt die Zahl der Trümmerteile größer als 10 Zentimeter auf über 30.000. Diese Objekte rasen mit mehreren Kilometern pro Sekunde und stellen eine Gefahr für aktive Satelliten, Raumstationen und bemannte Missionen dar.

Eine Kollision mit einem Trümmerteil kann einen Satelliten zerstören oder eine Kaskade von Fragmenten auslösen, was die Situation noch verschlimmert. Dies nennt man das Kessler-Syndrom. Um dieses Risiko zu begrenzen, empfehlen internationale Initiativen, Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer zu deorbittieren oder auf einen Friedhofsorbit zu bringen.

Inspektionsmissionen wie ISSA-J1 ermöglichen es, den Zustand der Trümmer besser zu verstehen und die Ursachen von Ausfällen zu identifizieren. Diese Daten sind entscheidend für die Entwicklung widerstandsfähigerer Satelliten und für die Planung zukünftiger orbitaler Reinigungsoperationen.

Orbitale Dienstleistungen: eine neue Grenze


Inspektions-, Reparatur-, Betankungs- oder Entfernungsoperationen von Satelliten waren bisher bemannten Missionen wie denen zur Internationalen Raumstation vorbehalten. Aber private Unternehmen wie Astroscale entwickeln autonome Raumschiffe, die diese Aufgaben robotergestützt ausführen können.

Die Inspektion ist der erste Schritt. Zu wissen, was nicht funktioniert, ermöglicht die Entscheidung, ob die Lebensdauer des Satelliten verlängert werden kann, beispielsweise durch Betankung oder Austausch eines defekten Bauteils. Diese Dienstleistungen könnten in den kommenden Jahren zu einem echten Markt werden.

Die technischen Herausforderungen sind vielfältig: Annäherung an ein Objekt, das nicht für Besuche ausgelegt ist, präzises Manövrieren und Datenübertragung. Missionen wie ISSA-J1 ebnen den Weg für eine neue Ära, in der Satelliten keine Wegwerfartikel mehr sind, sondern Anlagen, die gewartet werden können.