Die aktivsten Galaxien stellen irgendwann die Produktion von Sternen ein, doch die Astronomen hatten Mühe zu verstehen, warum dieses Phänomen bei einer ganz bestimmten Masse einsetzt. Ein internationales Team hat nun eine klare Erklärung vorgeschlagen: die Entstehung eines heißen Gashalos, der die Versorgung mit Sternenbrennstoff unterbricht. Dieser Durchbruch stützt sich auf eine der umfangreichsten kosmologischen Simulationen, die je durchgeführt wurden.
Um zu verstehen, was das galaktische Wachstum blockiert, nutzten die Forscher die Simulation Horizon Run 5. Diese modelliert ein riesiges virtuelles kosmisches Volumen und verfolgt die Entwicklung von Dunkler Materie, Gas, Sternen und Schwarzen Löchern vom Urknall bis heute. Das Team wählte etwa 20.000 massereiche Galaxien aus und analysierte ihre Geschichte über Milliarden von Jahren.
Künstlerische Darstellung einer jungen Galaxie, etwa zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall, die Gas ansammelt, um viele Sterne zu bilden. Bildnachweis: ESO/L. Calçada
Der entscheidende Faktor ist das Verhältnis zwischen der Masse der Sterne und der Gesamtmasse der Galaxie (Sterne, Gas, Dunkle Materie, Schwarzes Loch). Dieses Verhältnis erreicht einen Höhepunkt bei Galaxien, deren Gesamtmasse zwischen 1012,4 und 1012,7 Sonnenmassen liegt. Darunter wandeln Galaxien das Gas effizient in Sterne um. Darüber sinkt ihre Aktivität um den Faktor drei. Diese entscheidende Schwelle entspricht der Bildung eines heißen Gashalos im gravitativen Gleichgewicht.
Unterhalb dieser Masse kühlt das auf die Galaxie fallende Gas schnell genug ab, um die Sternentstehung zu speisen. Oberhalb wird der Halo so dicht und heiß, dass er sich durch seinen eigenen Druck hält. Das Gas kann nicht mehr abkühlen und ins Zentrum fallen, was die Brennstoffzufuhr unterbricht. Die Galaxie zieht weiterhin Dunkle Materie und Satellitengalaxien an, aber das für neue Sterne nötige kalte Gas kommt nicht mehr an.
Die Studie schließt auch eine andere Erklärung aus: die durch Supernovae und aktive Galaxienkerne erzeugten Winde. Das Team berechnete die Menge an normaler Materie, die durch diese Phänomene verloren geht, und fand Schwankungen unter 30 %, viel zu gering, um den Effizienzabfall zu erklären. Die entscheidende Veränderung findet also auf der Seite des Gaszuflusses statt, nicht bei dessen Ausstoß.
Einige Einschränkungen sind zu beachten: Die Simulationen beruhen auf vereinfachten physikalischen Modellen für die Sternentstehung, Supernovae und Schwarze Löcher. Die Autoren testeten die Empfindlichkeit ihrer Ergebnisse, und der allgemeine Trend bleibt bestehen, aber der genaue Wert der entscheidenden Masse könnte sich mit realistischeren Modellen ändern.
Was diese Arbeit interessant macht, ist, dass sie eine bekannte astronomische Beobachtung mit einem präzisen physikalischen Mechanismus verknüpft: Galaxien erlöschen, weil ihr heißer Gashalo stabil wird. Zukünftige Studien von Galaxienhaufen und des heißen intergalaktischen Mediums werden es ermöglichen zu überprüfen, ob diese Erklärung zutrifft.