Unsere Galaxie, die Milchstraße, könnte Hunderte intelligenter Zivilisationen beherbergen. Doch nach jahrzehntelanger Himmelsdurchsuchung wurde kein Signal empfangen. Dieses Schweigen, schlicht als „Großes Schweigen“ bezeichnet, könnte nicht auf das Fehlen intelligenten Lebens zurückzuführen sein, sondern auf eine bewusste Entscheidung, nicht mit uns zu kommunizieren.
Ein norwegischer Forscher bringt diese Idee vor: Die Außerirdischen würden uns beobachten und zu dem Schluss kommen, dass wir noch keinen Kontakt verdienen.
Jahrzehntelanges Abhören von SETI-Signalen deutet auf ein „Großes Schweigen“ hin. Aber vielleicht will niemand mit der Erde kommunizieren. Bildnachweis: UCLA SETI
In einer aktuellen Studie fügt Erik Geslin, Professor an der Noroff-Universität, der berühmten Drake-Gleichung einen neuen Faktor hinzu: den „Kontaktwillen“. Seine Hypothese ist, dass fortgeschrittene Zivilisationen vorsichtig sein könnten, nicht ängstlich, sondern sich der Risiken bewusst, die eine Art wie die unsere darstellt, die noch von Anthropozentrismus und Konflikten geprägt ist.
Erik Geslin erklärt, dass Gesellschaften, die in der Lage sind, zwischen den Sternen zu reisen, wahrscheinlich die Stadien der Eroberung und ökologischen Zerstörung überwunden hätten. Ihr Biozentrismus würde sie dazu veranlassen, zu beobachten, bevor sie interagieren. Anstatt schüchtern zu sein, würden diese Zivilisationen eine „planetarische Vorsicht“ an den Tag legen, vergleichbar mit einem Nichteinmischungsprinzip.
Aus unserer Sicht senden wir freundliche Botschaften wie die Sonden Pioneer und Voyager, aber von außen könnten unsere Signale eine erfinderische, aber ökologisch instabile Spezies offenbaren. Eine fortgeschrittene Zivilisation würde unsere Medien, sozialen Netzwerke, Spiele durchforsten, um zu verstehen, wer wir wirklich sind, bevor sie einen Dialog versucht.
Trotz dieser Zurückhaltung bleibt Neugier eine starke Kraft. Einige Zivilisationen könnten zu dem Schluss kommen, dass die Vorteile eines Kontakts die Risiken überwiegen. Erik Geslin räumt ein, dass Erkundung immer ein gewisses Maß an Unsicherheit mit sich bringt. Er glaubt jedoch, dass nachhaltige Gesellschaften Selektivität in ihren Interaktionen bevorzugen würden.
Das Allen Telescope Array des SETI-Instituts in Nordkalifornien sucht nach Radiosignalen, die von intelligentem außerirdischem Leben erzeugt worden sein könnten. Bildnachweis: SETI Institute
Letztlich stellt dieser neue Ansatz unseren Platz im Universum in Frage. Das Schweigen könnte ein Spiegel sein: Nicht die Aliens verstecken sich, sondern wir sind noch nicht bereit, kontaktiert zu werden.
Die Drake-Gleichung: Schätzung außerirdischer Zivilisationen
Frank Drake schlug diese berühmte Formel 1961 vor, um die Anzahl intelligenter und kommunikativer Zivilisationen in unserer Galaxie zu schätzen. Sie multipliziert mehrere Faktoren wie die Sternentstehungsrate, den Anteil mit Planeten, den Anteil bewohnbarer Welten und die durchschnittliche Lebensdauer einer technologischen Zivilisation.
Jeder Parameter ist unsicher, was zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führt, von einigen Dutzend bis zu Millionen von Gesellschaften. Die Gleichung erhebt nicht den Anspruch, eine exakte Antwort zu liefern, sondern dient als Rahmen, um die Forschung und Diskussionen über außerirdisches Leben zu strukturieren.
Ihr Hauptinteresse besteht darin, die großen Unbekannten aufzuzeigen, wie die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Leben oder die Langlebigkeit von Zivilisationen. Heute schlagen Forscher wie Erik Geslin vor, psychologische oder ethische Faktoren wie den Kontaktwillen hinzuzufügen.
Das Fermi-Paradoxon: Wo sind sie?
Der Physiker Enrico Fermi stellte dieses Paradoxon in den 1950er Jahren auf: Wenn das Universum von intelligenten Zivilisationen wimmelt, warum haben wir dann keinen Beweis dafür? Mit Milliarden von Sternen, die älter als die Sonne sind, hätte eine Zivilisation reichlich Zeit gehabt, die Galaxis zu kolonisieren und sichtbare Spuren zu hinterlassen.
Doch unsere Beobachtungen bleiben stumm. Diese scheinbare Leere hat viele Hypothesen hervorgebracht: Zivilisationen zerstören sich schnell selbst, oder wir sind vielleicht die Ersten. Das Paradoxon regt die Fantasie und die Forschung an.
Geslins Vorschlag fügt sich in diese Überlegung ein: Das Große Schweigen könnte eine bewusste Entscheidung sein, eine Form der Vorsicht. Somit wäre das Paradoxon kein Problem der Anzahl, sondern des Kommunikationswillens.