Scharfes Essen verursacht manchmal nach der Verdauung eine unerwartete Empfindung: ein Brennen im Bereich des Afters. Dieser Eindruck kann überraschen, erklärt sich aber durch einen einfachen biologischen Mechanismus. Der Hauptverantwortliche ist ein Molekül namens Capsaicin, das in Chilischoten vorkommt.
Capsaicin wirkt auf die Schmerzrezeptoren. Im Mund aktiviert es Proteine, die TRPV1-Rezeptoren genannt werden. Diese Nervensensoren reagieren normalerweise auf intensive Hitze ab etwa 43°C. Wenn sich Capsaicin an sie bindet, erhält das Gehirn ein Signal, das dem einer thermischen Verbrennung ähnelt. Das scharfe Gefühl ist also kein Geschmack, sondern eine Schmerzwahrnehmung,
wie die grundlegende Studie gezeigt hat, die den TRPV1-Rezeptor identifizierte.
Dieser Rezeptor spielt eine zentrale Rolle bei der Wahrnehmung von Hitze und reizenden Substanzen. Es handelt sich um einen Ionenkanal in sensorischen Neuronen, der durch hohe Temperaturen oder bestimmte chemische Moleküle aktiviert wird. Capsaicin wirkt genau dadurch, dass es diesen biologischen Mechanismus auslöst,
wie mehrere Arbeiten zu den an Schmerz beteiligten TRP-Kanälen zeigen.
Einmal verschluckt, verschwindet Capsaicin nicht vollständig im Verdauungssystem. Ein Teil wird vom Körper aufgenommen, ein anderer durchläuft den Darm, ohne vollständig abgebaut zu werden. Das Molekül bleibt dann biologisch aktiv, wenn es die letzten Abschnitte des Verdauungstrakts erreicht. Forschungen zu den physiologischen Wirkungen von Capsaicin im Darm zeigen, dass es im Verdauungstrakt weiterhin sensorische Rezeptoren aktivieren kann.
Der Enddarm und der After besitzen ebenfalls TRPV1-Rezeptoren. Wenn Rückstände von Capsaicin mit diesen Nervenenden in Kontakt kommen, lösen sie erneut ein Brennsignal aus. Die Empfindung ähnelt dann der im Mund, jedoch in einer viel empfindlicheren Zone. Anatomische Analysen haben gezeigt, dass in dieser Körperregion Nervenfasern vorhanden sind, die TRPV1 exprimieren,
wie eine in der Fachzeitschrift Gut veröffentlichte Studie beschreibt.
Die Intensität dieser Empfindung hängt von mehreren Faktoren ab. Die Menge des aufgenommenen Capsaicins spielt offensichtlich eine Rolle, aber auch die individuelle Sensibilität variiert stark. Manche Menschen haben reaktionsfreudigere Rezeptoren oder eine schnellere Verdauung, wodurch mehr aktives Capsaicin im Stuhl verbleibt.
Sehr scharfes oder mit Chili gewürztes Essen kann auch die Darmschleimhaut leicht reizen und die Verdauung beschleunigen. Diese Kombination erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass reizende Moleküle den Anus erreichen, ohne vollständig verstoffwechselt worden zu sein.
Dieses Brennen ist jedoch in den meisten Fällen vorübergehend und hat keine gesundheitlichen Folgen. Es klingt in der Regel schnell nach dem Stuhlgang ab. Das Phänomen veranschaulicht einfach die Funktionsweise des sensorischen Nervensystems: Das gleiche Molekül kann die gleichen Schmerzrezeptoren an beiden Enden des Verdauungskreislaufs aktivieren.