Eine Verbindung, die in niedriger Dosis die aggressivsten Individuen beruhigt, ohne sie apathisch zu machen: Das scheint Psilocybin, der Wirkstoff der 'Zauberpilze', bei einem besonders kampflustigen Fisch zu bewirken.
Dieses MolekĂŒl, das in ĂŒber 200 Pilzarten vorkommt, interagiert mit Serotoninrezeptoren im Gehirn und kann Stimmung und AggressivitĂ€t bei SĂ€ugetieren beeinflussen. Seine genaue Rolle im Sozialverhalten blieb jedoch unklar. Eine aktuelle Studie zeigt, dass niedrige Dosen die ĂŒbermĂ€Ăige AggressivitĂ€t des Mangroven-Rivulus-Fisches selektiv reduzieren, ohne soziale Interaktionen zu unterdrĂŒcken. Diese Wirkung zielt auf energieintensive Angriffe ab, schont jedoch das Imponierverhalten.
Der Mangroven-Rivulus-Fisch ist ein ideales Modell aufgrund seiner starken natĂŒrlichen AggressivitĂ€t und der einfachen Beobachtungsmöglichkeit.
WĂ€hrend des Experiments wurde ein Fisch mit einem anderen Fisch als Reiz hinter einer undurchsichtigen Trennwand platziert. Nach fĂŒnf Minuten wurde die Trennwand entfernt, um die Interaktion zu beobachten. Vierundzwanzig Stunden spĂ€ter wurde derselbe Fisch zwanzig Minuten lang gelöstem Psilocybin ausgesetzt und dann wieder mit demselben Reizfisch zusammengebracht. Das Verhalten wurde erneut ĂŒberwacht. Dieses Design mit wiederholten Messungen ermöglichte es dem Team, das Verhalten jedes Fisches vor und nach der Exposition zu vergleichen und dabei individuelle Unterschiede zu kontrollieren.
Die Fische, die Psilocybin erhalten hatten, bewegten sich weniger und zeigten weniger 'Bursting' (hoch energieintensive SchwimmstöĂe), energieintensive Angriffsverhaltensweisen. Interessanterweise blieben die frontale Imponierhaltung, ein energiearmes soziales EinschĂ€tzungsverhalten, unverĂ€ndert. Wie die Forscher erklĂ€ren, stellen die SchwimmstöĂe eine Eskalation der AggressivitĂ€t ohne Körperkontakt dar, wĂ€hrend das Imponierverhalten eher der Kommunikation dient. Diese selektive AbschwĂ€chung kostspieliger Handlungen deutet darauf hin, dass Psilocybin auf spezifische neuronale Bahnen abzielt, die an der Eskalation von Konflikten beteiligt sind, und nicht auf die allgemeine AktivitĂ€t.
Diese Ergebnisse sind der erste Beweis dafĂŒr, dass Psilocybin bei einem Wirbeltier die ĂŒbermĂ€Ăige AggressivitĂ€t selektiv reduzieren kann.
Die Studie untersuchte nur einzelne, niedrige Dosen ĂŒber kurze ZeitrĂ€ume. Langzeiteffekte, wiederholte Exposition oder Anpassung sind noch unbekannt. ZukĂŒnftige Arbeiten mĂŒssen klĂ€ren, ob die Reduzierung der AggressivitĂ€t anhĂ€lt, und untersuchen, warum manche Verhaltensweisen betroffen sind und andere nicht.
Aufbauend auf diesen Forschungen werden Wissenschaftler besser verstehen können, wie Psilocybin die neuronale SignalĂŒbertragung verĂ€ndert und welche serotonergen Bahnen beteiligt sind.