Bestimmte Schattenbereiche am Südpol des Mondes könnten von der Erde stammende Mikroben am Leben erhalten, trotz einer vermeintlich äußerst lebensfeindlichen Umgebung.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschenden der NASA und der University of Maryland. Das Team kombinierte detaillierte Karten des Mondgeländes mit den bekannten Belastungsgrenzen mehrerer Bakterien- und Pilzarten.

Reliefansicht des Mondsüdpols, erstellt anhand der ersten Höhenmessungen von LRO/LOLA. Die Krater Scott, Amundsen, Faustini, Shoemaker, Haworth, Malapert, Shackleton und Wiechert sind sichtbar.
Bildnachweis: NASA/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Die Mondoberfläche stellt für eine Zelle jedoch eine Reihe ernsthafter Hindernisse dar. Sie ist starken Temperaturschwankungen und ultravioletter Strahlung ausgesetzt, die lebende Organismen schnell schädigen kann. Am Südpol steht die Sonne jedoch sehr tief am Horizont. Das Gelände schafft daher zahlreiche Bereiche, die vor ihrem direkten Licht geschützt sind.
Die Forschenden untersuchten drei Regionen: Nobile Rim, Connecting Ridge und De Gerlache Rim. Die Temperatur- und Geländekarten stammten unter anderem vom Lunar Reconnaissance Orbiter. Damit ließ sich die Belastung durch Sonnenstrahlung je nach Standort berechnen und anschließend mit den Belastungsgrenzen verschiedener Mikroben vergleichen.
Berücksichtigt wurden fünf Arten von Mikroorganismen, die in menschlichen oder räumlichen Umgebungen häufig vorkommen. Dazu gehört Aspergillus niger, ein Pilz, der unter anderem an warmen und feuchten Orten zu finden ist. Er war bereits auf der Internationalen Raumstation nachgewiesen worden und erwies sich als besonders widerstandsfähig gegen ultraviolette Strahlung.
Konkret könnten einige für ein Überleben geeignete Bereiche den Boden eines Kraters bedecken. Andere wären winzig und könnten bis auf die Größe eines Stiefelabdrucks schrumpfen. Schon eine Unebenheit des Bodens reicht manchmal aus, um permanenten Schatten zu erzeugen. Den Modellen zufolge könnten Mikroorganismen in einigen dieser Zufluchtsorte dann mehrere Tage lang lebensfähig bleiben.
Dieses Überleben bedeutet jedoch nicht, dass sich auf dem Mond selbstständig Kolonien entwickeln könnten. Die Forschenden sprechen von lebenden Zellen, die sich möglicherweise in einem Ruhezustand befinden. Sie fanden keine Belege dafür, dass diese Orte die Bedingungen für ihre Vermehrung bieten. Vor allem stabiles flüssiges Wasser fehlt an der Mondoberfläche.
Mit den künftigen bemannten Missionen wird diese Frage praktische Bedeutung gewinnen. Astronauten transportieren naturgemäß sehr viele Mikroorganismen, von denen einige aus Raumanzügen oder Habitaten entweichen können. Eine Kontamination von der Erde könnte dann die Analyse alter Moleküle vor Ort verfälschen. Die Forschenden wollen nun noch präzisere Karten des Geländes und der Beleuchtung nutzen, um diese möglichen Zufluchtsorte besser zu lokalisieren.