Die amerikanische Sonde Psyche hat am 15. Mai 2026 den Mars gestreift, bevor sie ihre Reise zum gleichnamigen metallhaltigen Asteroiden fortsetzte. Dieser Umweg um den Roten Planeten diente vor allem dazu, die Flugbahn der Sonde ohne Treibstoffverbrauch zu verändern.
Am nächsten Punkt passierte Psyche den Mars in einer Entfernung von 4.609 km über der Marsoberfläche. Die Schwerkraft des Mars beschleunigte die Sonde dabei um etwa 1.600 km/h. Sie neigte auch ihre Orbitalebene um etwa 1 Grad relativ zur Sonne – eine notwendige Korrektur, um ihr Ziel im Hauptasteroidengürtel zu erreichen.

Bild NASA
Diese Technik wird als Gravitationsunterstützung bezeichnet. Eine Sonde tauscht beim Vorbeiflug in der Nähe eines Planeten einen winzigen Teil an Energie mit diesem aus. Das Ergebnis hängt von der mit hoher Präzision gewählten Flugbahn ab. Im Fall von Psyche diente der Mars als natürlicher Verstärker, um sie auf eine günstigere Umlaufbahn zu lenken.
Die Ansichten des Mars sind daher nicht nur ein visueller Bonus. Während der Annäherung verfolgte der Multispektral-Bildgeber der Sonde die Sichel des Planeten, die in ihrem Sichtfeld allmählich größer wurde. Bei maximaler Annäherung wurde der Mars für das Sichtfeld zu groß.
Psyche näherte sich einem nur schwach beleuchteten Teil des Mars. Der Planet erscheint daher als feine Sichel, ähnlich dem Mond kurz vor Neumond. Das beobachtete Licht stammt von der Sonne, die vom Marsboden reflektiert und vom atmosphärischen Staub gestreut wird.
Der Vorbeiflug diente auch als Generalprobe für die Instrumente der Mission. Die Teams konnten deren Funktion an einem bekannten Planeten überprüfen und die wissenschaftlichen Operationen vorbereiten, die in der Nähe des Asteroiden durchgeführt werden sollen. Die vom Deep Space Network empfangenen Radiosignale bestätigten anschließend, dass die erreichte Flugbahn den Erwartungen entsprach.
Psyche wurde im Oktober 2023 gestartet, um den Asteroiden 16 Psyche zu untersuchen, der zwischen Mars und Jupiter liegt. Dieses Objekt ist reich an Metallen, seine genaue Zusammensetzung muss jedoch noch bestimmt werden. Es könnte Hinweise auf die Materialien enthalten, die in den ersten Kleinkörpern vorhanden waren, die an der Planetenbildung beteiligt waren.
Die Sonde soll im Sommer 2029 in der Nähe des Asteroiden ankommen, bevor sie im August mit ihrer detaillierten Untersuchung beginnt. Sie wird ihn fotografieren, seine Oberfläche kartieren und seine physikalischen Eigenschaften messen. Der Vorbeiflug am Mars war daher ein diskreter, aber entscheidender Schritt.