Die Art und Weise, wie sich manche Galaxien heute drehen, scheint noch immer die Spur der Bedingungen zu tragen, die kurz nach dem Urknall herrschten. Ein internationales Team hat diesen Fingerabdruck in der Ausrichtung des Gases massereicher, naher elliptischer Galaxien mit einem statistisch signifikanten Signal entdeckt. Diese Messung liefert einen direkten Test einer seit mehreren Jahrzehnten formulierten Idee zum Ursprung der Galaxienrotation.
Um dieses Ergebnis zu verstehen, muss man bis zur Geburt der Galaxien zurĂŒckgehen. Vor ihrer Entstehung war die Materie im Universum nicht gleichmĂ€Ăig verteilt. Die Dichteunterschiede erzeugten ungleiche GravitationskrĂ€fte, die sogenannten GezeitenkrĂ€fte. Der Theorie des Gezeitenmoments zufolge verliehen diese KrĂ€fte den kĂŒnftigen Galaxien eine Rotationsbewegung, noch bevor sie ihre heutige Form annahmen.

Die Galaxienrotationen tragen den Stempel des frĂŒhen Universums.
Das Problem ist, dass Milliarden Jahre Entwicklung dieses ursprĂŒngliche Signal anschlieĂend verwischt haben. Die Galaxien verschmolzen, zogen Gas an und wechselwirkten mit ihrer Umgebung. Man konnte sich also fragen, ob ihre heutige Ausrichtung noch immer eine messbare Information ĂŒber diese sehr alten Bedingungen bewahrt.
Die Autoren verglichen Beobachtungen naher Galaxien mit einer Rekonstruktion der ursprĂŒnglichen Materieverteilung in derselben Region des Universums. Diese Rekonstruktion aus dem Projekt ELUCID ermöglicht es, das ursprĂŒngliche Gravitationsfeld abzuschĂ€tzen, das auf die Strukturen einwirkte, aus denen die heute beobachteten Galaxien werden sollten.
Das deutlichste Signal tritt im Gas zentraler, massereicher elliptischer Galaxien auf. Ihre Rotationsachse weist eine Richtungskorrelation mit der aus dem ursprĂŒnglichen Feld vorhergesagten Achse auf, mit einer Signifikanz von etwa 7 Sigma. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, eine solche Ăbereinstimmung durch eine zufĂ€llige statistische Schwankung zu erhalten, nach dem verwendeten Modell extrem gering ist.
Nicht alle Galaxien zeigen dasselbe MaĂ an Korrelation. Die Hauptanalyse stĂŒtzt sich insbesondere auf 781 elliptische Galaxien und 815 Spiralgalaxien mit zuverlĂ€ssigen Messungen der Gasrotation. Die Spiralgalaxien liefern ein schwĂ€cheres Signal, unter anderem weil ein gröĂerer Teil zu Massenhalos gehört, in denen die Rekonstruktion weniger prĂ€zise wird.
Mit anderen Worten: Die ursprĂŒngliche Information ist trotz der kosmischen Entwicklung nicht vollstĂ€ndig verschwunden. Diese BestĂ€ndigkeit stĂ€rkt die Theorie des Gezeitenmoments, die die Rotation der Galaxien direkt mit den gravitativen UnregelmĂ€Ăigkeiten im jungen Universum verbindet. Sie macht die Ausrichtung der Galaxien zugleich zu einer neuen nutzbaren GröĂe, um bestimmte kosmologische Modelle zu testen.
Die Autoren planen, diese Korrelationen unter anderem zu nutzen, um Parameter wie die Neutrinomasse einzuschrĂ€nken. Dieser Ansatz erfordert jedoch noch gröĂere Stichproben und prĂ€zisere Rekonstruktionen. Die in der Studie verwendeten Daten und mehrere Codes wurden öffentlich zugĂ€nglich gemacht, sodass die Messungen nun reproduziert und die Methode an anderen Durchmusterungen getestet werden können.