In den flachen Gewässern von Papua-Neuguinea haben Forscher einen Hai aufgestöbert, der sich auf dem Meeresboden gehend fortbewegt – bisher noch nie beobachtet.
Dieses Exemplar ist eine Art der Teppichhaie, die Hemiscyllium dudgeonae getauft wurde. Dank seiner Brust- und Beckenflossen bewegt es sich auf unerwartete Weise entlang der Korallenriffe. Taucher entdeckten ihn während einer Expedition, und Christine Dudgeon, Forscherin an der University of the Sunshine Coast in Australien, teilte ihre Begeisterung, nachdem sie dieses ungewöhnliche Tier gefangen hatte.
Der neue Hai wurde in Watota, in der Milne Bay, im Südosten von Papua-Neuguinea gefunden. Bildnachweis: Mark Erdmann
Die Entdeckung ereignete sich, als das Team nach einer bekannten Art suchte, dem Michaels Gehhai, der Leopardenmuster trägt. Der Neuankömmling wies jedoch kleine weiße Striche und braune Punkte auf, ein unverwechselbares Muster. Innerhalb von nur zwei Tagen wurden elf weitere Individuen an drei verschiedenen Standorten lokalisiert. Diese Konsistenz überzeugte die Wissenschaftler, dass es sich tatsächlich um eine unbeschriebene Art handelte.
Genetische Analysen im Labor bestätigten, dass es sich um eine neue Art handelt. Durch den Vergleich der DNA dieser Exemplare mit denen der neun anderen Gehhai-Arten bestätigten die Wissenschaftler ihre Hypothese. Damit steigt die Zahl der bekannten Arten dieser besonderen Haie auf zehn.
Diese Haie zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, mit ihren Brust- und Beckenflossen auf dem Meeresboden zu 'gehen'. Diese Anpassung ermöglicht es ihnen, auch bei Ebbe aktiv zu bleiben, wenn der Sauerstoffgehalt in den verbleibenden Tümpeln sinkt. So können sie weiterhin ihre Beute auf den Riffplattformen jagen, einer Umgebung mit extremen Bedingungen.
Die Forscher Jess Blakeway, Mark Erdmann und Christine Dudgeon posieren mit der neuen Art H. dudgeonae. Bildnachweis: Nesha Ichida
Studien zufolge können einige Gehhaie mehrere Stunden in sauerstoffarmem Wasser überleben. Die genauen Mechanismen dieser Widerstandsfähigkeit müssen jedoch noch geklärt werden. Die Forscherin Christine Dudgeon betont, dass weitere Forschungen notwendig seien, um diese außergewöhnliche Fähigkeit zu verstehen.
Bislang wurde H. dudgeonae nur an drei Standorten beobachtet. Bestätigt sich diese begrenzte Verbreitung, könnte die Art anfällig für Klimawandel, Lebensraumzerstörung oder Überfischung sein. Gehhaie neigen dazu, in der Nähe der Riffe zu bleiben, in denen sie geboren wurden, was ihre Fähigkeit beeinträchtigt, geschädigte Gebiete wiederzubesiedeln.
Diese Entdeckung zeigt, dass in wenig erforschten Regionen noch neue Haiarten gefunden werden können. Das Team plant, die Erhebungen in Papua-Neuguinea fortzusetzen, um diesen Hai in seinem natürlichen Lebensraum zu untersuchen. Wie Dudgeon betont, ist die Vielfalt der Haie viel größer als angenommen, und die meisten stellen keine Gefahr für den Menschen dar.
Die Gehhaie: eine Anpassung an eine extreme Umgebung
Die Haie der Gattung Hemiscyllium leben in den flachen Gewässern der Korallenriffe der Indopazifik-Region. Ihre Fähigkeit, mit ihren Brust- und Beckenflossen zu 'gehen', ist eine einzigartige Anpassung. Diese Fortbewegung ermöglicht es ihnen, sich bei Ebbe auf den Riffplattformen zu bewegen, wo sich Tümpel isolieren können. Unter diesen Bedingungen kann der gelöste Sauerstoff drastisch abfallen.
Im Gegensatz zu großen pelagischen Haien sind diese kleinen Teppichhaie benthisch: Sie leben in Bodennähe. Ihr langgestreckter Körper und ihre kräftigen Flossen verleihen ihnen einen besonderen, fast reptilienartigen Gang. Diese Fortbewegungsweise ist so effektiv, dass sie es ihnen ermöglicht, Krebstiere und kleine Fische in Gebieten zu jagen, die für andere Meeresräuber unzugänglich sind.
Wissenschaftler glauben, dass diese Anpassung das Ergebnis einer Evolution in einer tropischen Riffumgebung ist, in der die Gezeiten extreme Bedingungen schaffen. Die Fähigkeit, in sauerstoffarmen Umgebungen zu überleben, ergänzt diese Anpassung. Einige Studien haben gezeigt, dass diese Haie Sauerstoffwerte tolerieren können, die für andere Fische tödlich wären.
Diese Hypoxietoleranz ist noch nicht gut verstanden. Zukünftige Forschungen könnten einzigartige physiologische Mechanismen offenbaren, wie etwa Anpassungen des Stoffwechsels oder des Blutkreislaufs. Diese Erkenntnisse könnten sogar medizinische Anwendungen beim Menschen inspirieren.