Die mit dem Autoverkehr verbundene Luftverschmutzung könnte die Sterblichkeit von Krebspatientinnen und -patienten stärker beeinflussen als bisher angenommen. Eine in Nature Sustainability veröffentlichte Studie kommt zu diesem Schluss, nachdem sie mehr als 9,2 Millionen Todesfälle in acht Ländern analysiert hat.
Die Forschenden untersuchten PM2.5, also Feinstaubpartikel, die tief in die Lunge eindringen können. Einige können sogar in den Blutkreislauf gelangen. Die ausgewerteten Daten decken je nach Land verschiedene Zeiträume zwischen 2000 und 2019 ab.

Die Besonderheit der Arbeit besteht vor allem darin, die Gesamtheit der PM2.5 von den dem Straßenverkehr zugeschriebenen Partikeln zu unterscheiden. Dafür stützte sich das Team auf Atmosphärenmodelle und mehrere Emissionsinventare.
Der erzielte Kontrast ist deutlich. Ein Anstieg der PM2.5-Konzentration um 10 Mikrogramm pro Kubikmeter über zwei Tage war mit einer um 0,77 % höheren Sterblichkeit verbunden. Bei den verkehrsbedingten Partikeln erreichte dieser Anstieg 3,87 %.
Dieser Unterschied überrascht umso mehr, als die Verkehrspartikel nur 14,72 % der geschätzten Gesamtkonzentrationen ausmachten. Dennoch schreibt das Modell ihnen 73,55 % der mit PM2.5 verbundenen Krebstodesfälle zu. Auf die gesamte Studie bezogen würde dies etwa 112.000 Todesfälle bedeuten.
Die Unterschiede variieren auch je nach Krebsart. Bei Lungenkrebs erreichte der Anstieg 4,10 % je 10 zusätzliche Mikrogramm verkehrsbedingter PM2.5. Bei Darmkrebs stieg er auf 5,57 % und bei Prostatakrebs auf 6,27 %.
Die Zusammensetzung dieser Partikel könnte eine Rolle spielen. Der Verkehr verursacht nicht nur Abgase. Auch der Verschleiß von Bremsen, Reifen und Straßen setzt Partikel frei, ebenso wie das Aufwirbeln von Staub. Daher muss das Vorhandensein von Verkehr insgesamt berücksichtigt werden und nicht nur die von den Fahrzeugen verwendete Energie. Zwei identische PM2.5-Konzentrationen können daher sehr unterschiedliche Mischungen verbergen.
Um Verzerrungen zu verringern, verwendeten die Forschenden eine Methode namens „Case-Crossover“. Jede verstorbene Person wird mit sich selbst an nahegelegenen Vergleichstagen verglichen. Dieser Ansatz begrenzt den Einfluss stabiler individueller Merkmale, während die Modelle auch mehrere meteorologische Faktoren einbeziehen.
Die Studie misst allerdings nicht direkt die Belastung jeder einzelnen Person. Der dem Verkehr zugeschriebene Anteil der Luftverschmutzung beruht auf einer Modellierung, wodurch eine gewisse Unsicherheit entsteht. Die Autorinnen und Autoren nennen dennoch mehrere plausible Mechanismen, darunter entzündliche, kardiovaskuläre oder respiratorische Effekte, die den Zustand geschwächter Menschen rasch verschlechtern könnten.