🪸 Die Färbung von Korallen kann ansteckend sein

Wenn das Meer zu warm wird, geraten Korallen unter starken Stress. Sie können die winzigen Algen verlieren, die in ihrem Gewebe leben und ihnen einen großen Teil ihrer Farbe verleihen. Ohne diese Algen bleichen die Korallen aus, werden schwächer und drohen zu sterben.

Forschende der Stanford University in Kalifornien wollten herausfinden, ob eine gesunde Koralle einem gebleichten Nachbarn helfen kann. Die Idee klingt einfach: Die Algen der einen Koralle sollen zur anderen gelangen können. Zunächst musste jedoch überprüft werden, ob ein solcher Transfer überhaupt möglich ist.

Korallen mit leuchtenden Farben.

Korallen mit leuchtenden Farben.
Foto: Ryan Goehrung, via Wikimedia Commons.

Das Team bereitete zehn Paare kleiner Korallenfragmente vor. Jedes Paar bestand aus einem gesunden und einem gebleichten Stück desselben Individuums. Bei fünf Paaren berührten sich die Fragmente. Bei den fünf anderen lagen einige Millimeter zwischen ihnen.

Der Unterschied war spektakulär. Die fünf gebleichten Fragmente, die ihren gesunden Nachbarn berührten, erholten sich innerhalb von sieben Wochen. Die getrennt gebliebenen Fragmente nahmen ihre Algen nicht wieder auf und starben während der Versuchsdauer schließlich ab.

Um zu verstehen, was geschah, beobachteten die Forschenden die Korallen unter dem Mikroskop. Wenn sich zwei genetisch identische Stücke berühren, können ihre Gewebe miteinander verschmelzen und eine Verbindung zwischen ihnen bilden. Die nützlichen Algen gelangen dann vom gesunden zum gebleichten Fragment, wo sie sich zu vermehren beginnen.

Der Kontakt muss nicht einmal sieben Wochen dauern. In einigen Versuchen reichten wenige Tage aus, um Algen zu übertragen, und eine Woche Kontakt ermöglichte es den gebleichten Fragmenten, ihre Erholung selbstständig fortzusetzen. Die angesiedelten Algen vermehrten sich anschließend schnell.

Es gibt jedoch eine wichtige Bedingung: Die Fragmente müssen von derselben Koralle stammen oder genetisch identisch sein. Unterschiedliche Korallen verschmelzen in der Regel nicht auf diese Weise.

Diese Ergebnisse eröffnen eine Möglichkeit, einigen geschwächten Korallen zu helfen. Das Experiment umfasste jedoch nur zehn Fragmentpaare, die im Labor gehalten wurden. Es muss überprüft werden, ob diese Methode an ganzen Riffen funktionieren kann. Vor allem beseitigt sie nicht die Hauptursache der Korallenbleiche: die Erwärmung des Wassers.