Pluto wirkt in der Kälte weit jenseits von Neptun erstarrt. Dennoch überraschen die Bilder der Sonde New Horizons immer wieder. Forscher haben darauf die ersten bestätigten Erdrutsche auf der Oberfläche des Zwergplaneten identifiziert.
Die Entdeckung stammt nicht von einer neuen Mission. Sie resultiert aus einer gründlichen Untersuchung der Bilder, die beim Vorbeiflug im Jahr 2015 aufgenommen wurden. Selbst nach einem einzigen nahen Vorbeiflug sind die Daten von New Horizons reichhaltig genug, um neue Landschaften zu offenbaren.

Künstlerische Darstellung der Sonde New Horizons, die Plutonium an Bord hat.
New Horizons/Wikimedia
Das Team entdeckte sechs Schuttströme in drei Kratern in der Nähe von Sputnik Planitia. Diese riesige Ebene aus Stickstoffeis bildet die berühmte helle Herzform. Die beobachteten Spuren verlaufen die inneren Kraterwände hinab.
Diese Rutschungen hinterließen breite Materialdecken. Einige erstrecken sich über 10 bis 14,5 km auf dem Kraterboden. Die größte bedeckt etwa 130 km², eine Fläche vergleichbar mit der einer Kleinstadt.
Auf der Erde werden solche Bewegungen oft durch Reibung und Schwerkraft verlangsamt. Auf Pluto ist die Situation ganz anders. Die geringe Schwerkraft und die eisigen Materialien könnten es den Trümmern ermöglichen, leichter große Entfernungen zurückzulegen.

Karte der Erdrutsche auf Pluto:
(a) allgemeine Lage;
(b-b′) Rutschung LD1 im Coughlin-Krater;
(c-c′) Rutschungen LD2 und LD3 im Giclas-Krater;
(d-d′) Rutschungen LD4, LD5 und LD6 in einem unbenannten Krater.
Bilder der LORRI-Kamera von New Horizons, Auflösung etwa 300 m pro Pixel.
Bildnachweis: NASA / JHUAPL / SwRI.
Die Bilder zeigen bucklige Ablagerungen, die wahrscheinlich reich an festen Eisblöcken sind. An ihrem Ausgangspunkt beobachten die Forscher gut ausgeprägte konkave Klippen. Diese Formen entsprechen den erwarteten Merkmalen nach einem Erdrutsch.
Der genaue Ursprung dieser Bewegungen bleibt jedoch ungewiss. In einem Krater könnte ein naher Einschlag den Hang destabilisiert haben. Anderswo könnten Temperaturschwankungen und Zustandsänderungen von flüchtigen Eismassen das Gelände geschwächt haben.
Diese Beobachtungen deuten nicht unbedingt darauf hin, dass Pluto heute noch aktiv rutscht. Sie zeigen dennoch, dass sein Relief durch komplexe Materialbewegungen geformt wurde. Zukünftige genauere Bilder könnten helfen, weitere Spuren auf dieser eisigen Welt zu finden.