☀️ Dieser Sonnensturm verbarg einen auf die Erde gerichteten Teil

Eine Sonneneruption, die unserem Planeten scheinbar weitgehend auswich, verbarg in Wirklichkeit einen Teil, der direkt auf die Erde zugeschleudert wurde.

Das untersuchte Phänomen ereignete sich im Dezember 2024. Die Sonne hatte eine große Menge Materie ins All ausgestoßen. Ein solches Ereignis wird als koronaler Massenauswurf bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine riesige Wolke geladener Teilchen, begleitet von einem Magnetfeld, die sich von der Sonne entfernt.

Dreidimensionale Rekonstruktion eines von der Seite beobachteten koronalen Massenauswurfs.

Dreidimensionale Rekonstruktion eines von der Seite beobachteten koronalen Massenauswurfs.
Quelle: NASA Goddard Space Flight Center / Scientific Visualization Studio

Von der Erde aus schien der größte Teil dieses Auswurfs in eine andere Richtung zu fliegen. Eine Beobachtung aus unserer Umgebung konnte daher den Eindruck erwecken, dass die Gefahr begrenzt war. Doch die tatsächliche Form der Eruption war weit unregelmäßiger, als sie aussah.

Um zu verstehen, was geschehen war, trugen die Forschenden Messungen von 17 Sonden zusammen, die im inneren Sonnensystem verteilt waren. Diese außergewöhnliche Konfiguration ermöglichte es ihnen, dieselbe Eruption von mehreren Orten aus zu beobachten. Zu diesen Raumfahrzeugen gehörte Europa Clipper, die damals auf dem Weg zum Jupiter war.

Diese NASA-Sonde überprüfte gerade ihre Instrumente, als sie einen ungewöhnlich heißen und dünnen Sonnenwind maß. Anschließend brachten die Forschenden dieses Signal mit der einige Tage zuvor aufgetretenen Eruption in Verbindung. Weitere Sonden ermöglichten es, ihre Ausbreitung zu rekonstruieren.

Der entscheidende Hinweis kam von STEREO-A, die die Sonne aus einem anderen Winkel beobachtete. Ihre Daten enthüllten einen eigenständigen und schnelleren Teil des Auswurfs, der auf die Erde gerichtet war. Von unserem Planeten aus wurde diese Komponente durch die Geometrie des Ereignisses verdeckt. Die Eruption hatte somit eine stark asymmetrische Form.

Dieses Detail ist für das Weltraumwetter von Bedeutung. Wenn solche Auswürfe die Umgebung der Erde erreichen, können sie geomagnetische Stürme auslösen. Diese können die Funkkommunikation, Satellitensignale und bestimmte Stromnetze stören. Für Astronautinnen und Astronauten im All stellen die energiereichen Teilchen zudem ein Strahlenrisiko dar.

In diesem konkreten Fall hatten die Forschenden einen seltenen Vorteil: Viele Raumfahrzeuge befanden sich gleichzeitig an nutzbaren Positionen. Interplanetare Missionen könnten daher spezialisierte Satelliten ergänzen. Selbst wenn sie zu einem anderen Ziel unterwegs sind, können ihre Messungen dabei helfen, von der Erde aus unsichtbare Teile von Eruptionen aufzuspüren.

Nun gilt es, diese verstreuten Perspektiven besser in die Überwachungssysteme zu integrieren. Mit weiteren Missionen zum Mond, zum Mars und zu den fernen Planeten könnten einige Sonden ein zusätzliches Netzwerk zur Beobachtung der Sonne bilden und Besatzungen warnen, die sich weit von der Erde entfernt befinden.