Eine von einem europäischen Unternehmen entwickelte Rakete hat bereits bei ihrem zweiten Flug die Umlaufbahn erreicht und dort mehrere Nutzlasten ausgesetzt.
Die Spectrum-Rakete von Isar Aerospace startete am 5. September 2026 von Andøya im Norden Norwegens. Der Start erfolgte um 22:12 Uhr Pariser Zeit. Die Mission mit dem Namen Onward and Upward sollte die vollständige Funktionsfähigkeit der Rakete unter realen Bedingungen überprüfen.

Leuchtspur des Starts von Spectrum von Andøya bei ihrem zweiten Flug.
Quelle: Isar Aerospace
Der Flug war für das deutsche Unternehmen von besonderer Bedeutung. Die erste Spectrum, die am 30. März 2025 vom selben Standort gestartet war, hatte nach etwa 30 Sekunden die Kontrolle verloren. Daraufhin unterbrach ein Abschaltbefehl den Antrieb, und die Rakete stürzte ins Meer, ohne jemanden zu verletzen.
Diesmal verliefen die wichtigsten Schritte wie geplant. Die Rakete durchquerte den Bereich hoher aerodynamischer Belastungen, dann schaltete sich die erste Stufe ab und wurde abgetrennt. Anschließend zündete die zweite Stufe. Spectrum überschritt eine Höhe von 100 Kilometern und warf dann die Nutzlastverkleidung ab, bevor sie die für einen Verbleib in der Umlaufbahn erforderliche Geschwindigkeit erreichte.
Nach einem letzten Schubmanöver zur Anpassung ihrer Flugbahn trennte die Rakete ihre Nutzlasten ab. Sie transportierte fünf CubeSats, also kleine standardisierte Satelliten, sowie ein technologisches Experiment. Isar Aerospace erklärte, dass das Unternehmen noch mit seinen Kunden daran arbeite, den Zustand jedes Satelliten nach dem Aussetzen zu bestätigen.
Der Flug markiert auch einen Meilenstein für kommerzielle Starts vom europäischen Kontinent. Laut Reuters ist Spectrum die erste kommerzielle Trägerrakete, die von dieser Region aus die Umlaufbahn erreicht. Die europäischen Ariane-Raketen starten hingegen vom Raumfahrtzentrum Guayana in Südamerika.

Spectrum aufgerichtet auf der Startrampe unter einem Polarlicht in Andøya.
Quelle: Isar Aerospace
Die mitgeführten Nutzlasten waren im Rahmen eines Wettbewerbs der DLR, der deutschen Raumfahrtagentur, ausgewählt worden. Dieses Programm ermöglicht insbesondere Bildungseinrichtungen und jungen Unternehmen einen kostengünstigeren Zugang zum Weltraum. Die Mission wird außerdem durch das Boost!-Programm der Europäischen Weltraumorganisation unterstützt.
Isar Aerospace bereitet bereits die nächsten Flüge vor. Die Spectrum-Raketen mit den Nummern 3 bis 7 befinden sich nach Angaben des Unternehmens in Produktion. Eine neue Fabrik mit 40.000 m² soll langfristig die Herstellung von bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr ermöglichen. Ein weiterer Startplatz ist außerdem in Nova Scotia, Kanada, geplant.