🚶 Weniger Schritte, aber schneller – effizient oder nicht?

Forscher analysierten die täglichen Bewegungen von 64.743 Erwachsenen mittleren Alters aus der UK Biobank. Die Teilnehmenden trugen einen Sensor am Handgelenk, mit dem ihre Schritte und ihr Tempo geschätzt werden konnten. Ihr Durchschnittsalter lag bei 61,5 Jahren. Anschließend beobachteten die Wissenschaftler über mehrere Jahre hinweg die Todesfälle, um Zusammenhänge mit diesen Gehgewohnheiten zu untersuchen.

Zwei Parameter wurden gemeinsam untersucht. Der erste war schlicht die tägliche Schrittzahl. Der zweite maß das Tempo während der 30 aktivsten Minuten des Tages, wobei diese Minuten nicht unbedingt aufeinanderfolgen mussten. So lässt sich ein Tag mit vielen ruhigen Schritten von einem kürzeren, aber dynamischeren Tag unterscheiden.

Eine Person, die geht.

Eine Person, die geht.
Daniel Reche · Pexels

Die Ergebnisse zeigen kein einheitliches Ziel, das für alle gilt. Bei Personen, die weniger als 5.000 Schritte pro Tag machten, war ein höheres Tempo mit einer niedrigeren Sterblichkeit verbunden. Bei etwa 80 Schritten pro Minute war das beobachtete Risiko beispielsweise niedriger als in der Vergleichsgruppe, die wenig und langsam ging.

Ein weiteres interessantes Ergebnis: Weniger als 5.000 Schritte in einem recht zügigen Tempo waren mit einer nahezu ebenso starken Risikosenkung verbunden wie 5.000 bis 7.500 langsamer zurückgelegte Schritte. Mit anderen Worten: Menge und Tempo scheinen sich teilweise ausgleichen zu können. Das kann für Menschen bedeutsam sein, die wenig Zeit haben oder nicht viel gehen können.

Die Schrittzahl bleibt dennoch wichtig. In dieser Studie war das niedrigste Sterberisiko mit einer täglichen Schrittzahl zwischen 7.500 und 10.000 verbunden. Beim Tempo beobachteten die Forscher während der 30 aktivsten Minuten die günstigsten Werte bei etwa 90 bis 100 Schritten pro Minute.

Diese Zahlen stellen keine individuelle Empfehlung dar. Ein leichtes Tempo kann für eine trainierte Person eine andere erhebliche Anstrengung erfordern. In der Praxis lässt sich zügiges Gehen auch an der Atmung erkennen: Sie wird deutlich intensiver, während man noch in kurzen Sätzen sprechen kann.

Vor allem sollte man bei der Interpretation des beobachteten Zusammenhangs vorsichtig bleiben. Die Studie ist beobachtend: Sie bringt bestimmte Gehgewohnheiten mit einer niedrigeren Sterblichkeit in Verbindung, beweist jedoch nicht, dass diese direkt die Ursache dafür sind. Die Forscher berücksichtigten zahlreiche Faktoren, doch der Gesundheitszustand, der Lebensstil oder andere Unterschiede zwischen den Teilnehmenden können die Ergebnisse weiterhin beeinflussen.

Die Autoren möchten nun, dass auf Schritten basierende Empfehlungen diese beiden Dimensionen besser berücksichtigen. Für Menschen, die ihre tägliche Schrittzahl nur schwer erhöhen können, könnte das Tempo daher zu einem Indikator werden, der bei künftigen Empfehlungen und Gesundheitsmaßnahmen untersucht wird.