Die Venus wird allgemein als ein geologisch erstarrter Planet beschrieben. Dennoch zeigt die Form mehrerer großer Täler, dass dort noch tektonische Aktivität vorhanden sein könnte oder dass sie bis zu einer sehr jungen geologischen Periode angedauert hat.
Ein Team untersuchte drei Rift-Täler in den Regionen Ganis, Dali und Devana Chasmata. Diese Strukturen entsprechen Zonen, in denen die Kruste gedehnt wird und bricht. Ihre seitlichen Reliefs weisen eine Breite und Form auf, die sich durch eine sehr alte Aktivität nur schwer erklären lassen.

Globale Ansicht der Venusoberfläche, zentriert auf 180 Grad östlicher Länge. Die Radarmosaike von Magellan werden auf einen simulierten Globus projiziert.
Bildnachweis: NASA/JPL-Caltech
Die Forscher verglichen die topografischen Daten der Venus mit numerischen Modellen der Riftbildung. Diese Simulationen beschreiben die Entwicklung einer Kruste, die einer allmählichen Dehnung ausgesetzt ist, sowie die Veränderungen des Reliefs, wenn diese Dehnung aufhört.
Die Ergebnisse zeigen, dass die beobachteten Reliefs denen aktiver oder kürzlich aktiver Rifts ähneln. Ihre Breite deutet darauf hin, dass die Brüche entstanden sein könnten, während die Kruste noch starken Dehnungskräften ausgesetzt war. Die modellierten Raten erreichen 3 bis 10 cm pro Jahr.
Auf der Erde verändert die Erosion allmählich die tektonischen Reliefs. Die Venus hat keinen vergleichbaren Wasserkreislauf, aber ihre heiße Kruste kann sich unter dem Gewicht der Reliefs langsam verformen. Diese Relaxation sollte die Ränder der Rifts nach dem Ende ihrer Aktivität einebnen.
Die Beibehaltung sehr breiter Reliefs weist daher darauf hin, dass einige Täler jung sind oder noch aktiv bleiben. Die Autoren schätzen, dass die untersuchten Strukturen in den letzten zig Millionen Jahren entstanden sein könnten, ein kurzer Zeitraum in der Geschichte des Planeten.
Diese Schlussfolgerung bedeutet nicht, dass die Venus eine der Erde ähnliche Plattentektonik besitzt. Die Beobachtungen deuten vielmehr auf eine lokalisierte Dehnung der Kruste hin, die wahrscheinlich mit Bewegungen heißen Materials im Inneren des Planeten zusammenhängt.
Die verfügbaren Daten bleiben begrenzt, da die meisten detaillierten Karten der Venus von der Sonde Magellan stammen, die in den 1980er Jahren gestartet wurde. Zukünftige Missionen könnten die Reliefs genauer vermessen und nach aktuellen Anzeichen von Verformung oder Vulkanismus suchen.