Die Galaxie NGC 4654 weist eine deutlich asymmetrische Silhouette auf. Ein aktuelles Bild des Hubble-Weltraumteleskops zeigt einen abgerundeten Rand, einen sternreichen Arm und eine lange Gasspur, die ĂŒber das beobachtete Feld hinausreicht. Diese Form offenbart das Zusammenspiel ihrer Umgebung und einer alten galaktischen Begegnung.
NGC 4654 liegt etwa 72 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Jungfrau und gehört zum Virgo-Galaxienhaufen. Dieser dicht besiedelte Haufen enthĂ€lt zwischen seinen Galaxien auch heiĂes Gas geringer Dichte. NGC 4654 durchquert ihn mit hoher Geschwindigkeit.

Dieses Bild des NASA/ESA-Weltraumteleskops Hubble zeigt die Spiralgalaxie NGC 4654, die 72 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Jungfrau liegt.
Abbildung: NASA, ESA/Hubble, D. Thilker, J. Lee und das PHANGS-HST-Team
Diese Bewegung erzeugt einen Staudruck. Das intergalaktische Gas komprimiert den vorderen Rand der Galaxie und zieht einen Teil ihres eigenen Gases nach hinten. Dieser als Staudruckabtrag bezeichnete Mechanismus erklĂ€rt den langen Gasschweif, der auf der gegenĂŒberliegenden Seite beobachtet wird.
Dieser Druck allein reicht jedoch nicht aus, um die gesamte Verformung zu erklĂ€ren. Auch die Sterne sind ungleichmĂ€Ăig verteilt. Der vordere Arm enthĂ€lt viel Gas und Sterne, wĂ€hrend es dem gegenĂŒberliegenden Arm deutlich daran mangelt.
Die Astronomen fĂŒhren diese zweite Asymmetrie auf eine gravitative Wechselwirkung mit NGC 4639 zurĂŒck, einer anderen Galaxie des Haufens. Die beiden Objekte sind heute weit voneinander entfernt. Nach der von der NASA und der EuropĂ€ischen Weltraumorganisation vorgestellten Interpretation soll ihre enge Begegnung vor etwa 500 Millionen Jahren stattgefunden haben.
Diese Begegnung hĂ€tte einer Seite von NGC 4654 Gas entzogen. Die Entstehung neuer Sterne wĂ€re dort daraufhin zurĂŒckgegangen, sodass ein weniger dichter Arm zurĂŒckblieb. Die heutige Form wĂŒrde somit die Spur eines alten Ereignisses bewahren, ergĂ€nzt um die anhaltenden Wirkungen des durchquerten Mediums.
NGC 4654 erzeugt dennoch weiterhin fast zwei Sonnenmassen an Sternen pro Jahr. Dieses Tempo bleibt vergleichbar mit dem von Galaxien Ă€hnlicher GröĂe. Die im Bild sichtbaren rosafarbenen Bereiche entsprechen angeregten Gaswolken, die mit jungen Sternen verbunden sind, welche ĂŒber die Scheibe und um den schwachen zentralen Balken verteilt sind.
Die Daten stammen aus zwei Beobachtungsprogrammen, die den ZusammenhÀngen zwischen Gas und Sternentstehung gewidmet sind. Indem sie mehrere nahe Galaxien vergleichen, wollen die Forscher die Bewegungen des Gases, seinen Kollaps zu Sternwolken und die Wirkung junger Sterne auf ihre Umgebung besser verfolgen. NGC 4654 bietet einen Fall, in dem mehrere KrÀfte noch sichtbare Spuren hinterlassen haben.