Die Galaxie Andromeda bildet seit etwa 500 Millionen Jahren immer weniger Sterne.
Eine Analyse basierend auf Beobachtungen des Hubble-Weltraumteleskops zeichnet diesen Rückgang mit beispielloser Präzision nach. Diese Nachbargalaxie der Milchstraße bietet ein ideales Terrain, um zu verstehen, wie eine große Spiralgalaxie ihre Aktivität allmählich verlangsamt.

Die Andromeda-Galaxie (Galaxie M31)
Bild Wikimedia
Vor 500 Millionen Jahren produzierte Andromeda jedes Jahr das Äquivalent von etwa einer Sonnenmasse an neuen Sternen. Dieses Tempo hatte sich vor 40 Millionen Jahren halbiert. Heute liegt es bei knapp 0,2 Sonnenmassen pro Jahr, so das Team, dessen Ergebnisse im Astrophysical Journal veröffentlicht wurden.
Um diese jüngste Geschichte zu rekonstruieren, untersuchten die Forscher die Farben und die Helligkeit von Millionen von Sternen, die Hubble einzeln beobachtet hatte. Massereiche und blaue Sterne haben eine kurze Lebensdauer. Ihre Verteilung ermöglicht es daher abzuschätzen, wo und wann sich in den letzten hundert Millionen Jahren neue Himmelskörper gebildet haben.
Der Rückgang ist nicht in der gesamten Galaxie gleichmäßig. Ein Großteil der jüngsten Sternentstehung konzentriert sich in einem Ring in etwa 32.000 Lichtjahren Entfernung vom Zentrum. Derselbe Ring erklärt auch einen großen Teil des gemessenen Rückgangs, da seine Aktivität in den letzten Perioden stark abgenommen hat.
Der Mangel an Gas scheint nicht auszureichen, um diese Entwicklung zu erklären. Andromeda besitzt noch genug Materie, um neue Sterne zu versorgen. Die Autoren der Studie gehen eher von einer allmählichen Rückkehr zu einem ruhigeren Zustand nach einer früheren, aktiveren Phase aus. Eine frühere Wechselwirkung könnte vorübergehend das Gas komprimiert und die Sternentstehung angeregt haben.
Die kleine Satellitengalaxie M32 ist einer der Verdächtigen. Sie könnte die Scheibe von Andromeda durchquert und deren Gaswolken gestört haben. Die aktuellen Daten erlauben jedoch keinen direkten Zusammenhang. Auch andere interne Mechanismen wie die Dynamik der Scheibe oder die allmähliche Auflösung einer alten Störung sind möglich.
Andromeda befindet sich etwa 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt. Ihre Nähe ermöglicht es, ihre Sterne einzeln zu beobachten und gleichzeitig einen Gesamtüberblick über die Galaxie zu behalten. Die Forscher wollen nun die Hubble-Archive mit bodengebundenen Beobachtungen kombinieren. Das Nancy-Grace-Roman-Weltraumteleskop soll anschließend die gesamte Scheibe mit einem viel größeren Feld kartieren.